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Interdisziplinäres Fachforum
01.03.2018

Zukunftsfragen zur Zeitarbeit im Fokus des IAB

Bereits zum siebten Mal führte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein interdisziplinäres Fachforum zu Fragen rund um die Zeitarbeitsbranche mit hochkarätiger Besetzung in Nürnberg durch. Für den iGZ beteiligten sich dabei Hauptgeschäftsführer Werner Stolz und der Arbeitsmarktexperte des Verbandes, Clemens von Kleinsorgen.

iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz (2.v.l.) beteiligte sich an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Zeitarbeitsbranche.
iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz (2.v.l.) beteiligte sich an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Zeitarbeitsbranche.

Zunächst referierte Volker Homburg (ZIP Zeitarbeit und Personalentwicklung) über „Digitalisierung und Zeitarbeit“. Dabei bezweifelte er insbesondere, ob die letzte Novelle des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) wirklich geeignet sei, die Ziele des Gesetzgebers zu erreichen. Vielmehr zeige sich in der Umsetzungspraxis eine starke Bürokratisierung der Dokumentationsabläufe, die schnelle Reaktionsabläufe eher behindere als fördere. Auch sei das Schriftlichkeitsgebot im Digitalisierungszeitalter antiquiert und müsse moderner ausgestaltet werden.

Arbeitsmarktregelungen

Auf die neuen Arbeitsmarktregelungen von Präsident Macron in Frankreich ging dann Prof. Michel Ph. Mattoug ausführlich ein. Er stellte unter anderem die veränderten Bedingungen zum Abschluss von befristeten Arbeitsverhältnissen vor: Sachgrund, Höchstdauer, Höchstanzahl der Wiederholungen, Karenzzeit und Kündigungsgründe sollen zukünftig auch abweichend vom Gesetz per Betriebsvereinbarung geregelt werden können. Da diese Bedingungen weitgehend mit denen für den Rückgriff auf Zeitarbeit ähnlich wären, könnten auch hier Änderungen in der Praxis eintreten.

Leichte Lohnannäherung

Johannes Jakob (DGB) setzte sich mit dem Thema „Struktur und Einkommenssituation in der Zeitarbeit“ auseinander und stellte eine leichte Lohnannäherung insbesondere auf dem Helfersektor im Vergleich zu den Stammbeschäftigten fest. Gleichwohl sah er auf diesem Sektor noch einen erheblichen Veränderungsbedarf besonders durch die Sozialpartner in der Branche.

Beschäftigungsformen

Mit der provokanten Frage „Auf dem Weg zur Vollbeschäftigung und chronischem Fachkräftemangel: Braucht es flexible Beschäftigungsformen überhaupt noch?“ befasste sich Dr. Alexander Spermann von der Universität Freiburg. Im Ergebnis plädierte er dafür, die positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt nicht schlecht zu reden und Erfolge nicht durch weitere Restriktionen etwa im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz zu gefährden. Zumal die Personaldienstleistungen inzwischen einen guten, fast allgemein akzeptierten Schutzstandard erreicht hätten.

Zeitarbeit

Auf den Bereich „Coworking Spaces: Substitution oder Begleitung von Zeitarbeit?“ ging Professorin Dr. Ricarda Bouncken von der Universität Bayreuth umfassend ein. Neue Arbeitsformen wie Agilität gerade auch bei „Startups“ seien ihrer Meinung nach keine Konkurrenz zu anderen flexiblen Beschäftigungschancen, sondern auch innovative Ansätze für Personaldienstleister, ihr spezielles Knowhow auf diesen Feldern  einzubringen.

Personalüberlassungsstatistiken

In der abschließenden Podiumsdiskussion ging iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz ausführlich auf die Frage des Moderators Professor Dr. Werner Widuckel von der Universität Erlangen-Nürnberg ein, ob die Zeitarbeitsbranche aktuell an einem Scheidewege stehe. Stolz verwies auf die stets kompetente Umsetzung der zahlreichen veränderten gesetzlichen beziehungsweise tariflichen Rahmenbedingungen durch alle Zeitarbeitsakteure, wobei der Verband immer qualitativ gute und hilfreiche Praxishilfen geliefert habe. Die Personalüberlassungsstatistiken verzeichneten in den letzten Jahren einen stetigen Aufwärtstrend und zeigten, dass der Nachfragemarkt noch nicht gesättigt sei. Zumal hier eine Beschäftigungsform angeboten werde, die Flexibilität, (Rechts-)Sicherheit und Chancenvermehrung unter einen Hut bringe. „Auf diese Leistungen darf die Branche sehr stolz sein“, so der iGZ-Vertreter. Er empfahl dem Gesetzgeber im anstehenden Evaluierungsprozess ab 2020 eine offene Herangehensweise und nicht erneut den Boden für weitere Einschränkungen zu bereiten. Denn „gute Zeitarbeit“ sei ein Problemlöser für viele Menschen und kein Problemverstärker.

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