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Bettina Schiller im Streitgespräch mit Bremens IG Metall-Chef
10.08.2015

„Zeitarbeitsfirmen sind keine Billigheimer“

Einen regen Schlagabtausch lieferten sich Bettina Schiller, iGZ-Bundesvorstandsmitglied, und Volker Stahmann, Geschäftsführer der IG Metall Bremen, in der lokalen Tageszeitung „Weser Kurier“. In einem Streitgespräch diskutierten sie über Zeitarbeit als Berufschance, Branchenzuschläge und die Übernahmequote.

„Wir können Bewerbungen viel breiter platzieren“, nannte Schiller einen Grund dafür, warum die Zeitarbeitsbranche auch für qualifizierte Fachkräfte und Akademiker sehr attraktiv ist. Zudem hätten Unternehmen eine geringere Hemmschwelle, unerfahrene Mitarbeiter über Zeitarbeit einzustellen. Darum sei Zeitarbeit gerade für Menschen, die frisch vom Studium kommen, eine attraktive Einstiegsmöglichkeit – und allemal deutlich besser, als sich von einem schlecht bezahlen Praktikum zum nächsten zu hangeln.

Übernahmequote

Stahmann kritisierte genau diese Praxis. Es habe sich eine Kultur eingeschlichen, wo die Betriebe gar nicht mehr bereit seien, sich irgendeinem Risiko auszusetzen. Unternehmen würden Zeitarbeitskräfte nur in Einzelfällen übernehmen oder wenn eine Konzernvereinbarung das vorschreibe, beispielsweise bei Daimler. Schiller widersprach dieser Annahme. Mindestens 30 Prozent der Mitarbeiter, die ihr Unternehmen verlassen, würden vom Kundenbetrieb übernommen. „Was auch damit zu tun hat, dass wir am Arbeitsmarkt wirklich knappe Ressourcen an Fachkräften haben“, betonte die Zeitarbeitsexpertin.

Branchenzuschläge

Wer nicht übernommen wird, profitiert in mittlerweile elf Branchen von Lohnzuschlägen, die mit der Dauer des Einsatzes steigen. „Nach neun Monaten gibt es dann einen Zuschlag von 50 Prozent“, erklärte Schiller die Tariflösung für die Metall- und Elektroindustrie. „Das ist ein schlechter Tarifvertrag“, urteilte Stahmann. „Den haben Sie als IG Metall mit uns verhandelt“, entgegnete Schiller.

Flexibilität gefragt

Der IG Metall-Vertreter kritisierte, dass sich die Zeitarbeitsbranche billig mache – mit dem Ergebnis, dass 57 Prozent der Betriebe in der M+E-Industrie die Rekrutierung neuer Mitarbeiter Zeitarbeitsunternehmen überlassen würden. „Billigheimer sind wir schon lange nicht mehr“, betonte Schiller. Untersuchungen würden zeigen, dass der primäre Grund für Unternehmen, Zeitarbeit einzusetzen, längst nicht mehr irgendwas mit billig zu tun habe. „Das hat vor allem was mit Flexibilität zu tun, mit der Sicherheit bei der Personalbeschaffung.“

Doppelte Absicherung

Auf der anderen Seite profitieren auch Arbeitnehmer von der doppelten Absicherung. „Sollte der Auftragnehmer die Zeitarbeitskraft aus irgendeinem Grund nicht mehr brauchen und ihn abmelden, versuchen wir, für ihn einen neuen Einsatz zu finden, was sehr häufig auch geling“, gab Schiller, Geschäftsführerin des iGZ-Mitglieds Teamworker Personaldienst, einen Einblick in den Zeitarbeitsalltag. Stahmann kritisierte, dass Schillers Schilderungen der Praxis widersprächen, die er erlebe. Zeitarbeitskräften würde in der Mehrheit der Fälle gekündigt, wenn ein Einsatz ende. „Das bestreite ich“, entgegnete Schiller. „Es mag solche Firmen geben, ich arbeite nicht so.“ (ML)

Zum vollständigen Interview im Weser Kurier.

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