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Rheinische Post meldet sinkende Tarifierung
14.05.2019

Zeitarbeit: Inselposition bei Tarifbindung

Die nahezu einhundertprozentige Tarifabdeckung der Branche beschert der Zeitarbeit eine echte Inselposition: „Nur 46 Prozent der Beschäftigten arbeiten nach Tarif“ berichtet die Rheinische Post (RP) – und die Zahlen sinken laut RP kontinuierlich weiter.

MdB Beate Müller-Gemmeke (Grüne, r.), hier im Gespräch mit Andrea Resigkeit, iGZ-Fachbereichsleiterin politische Grundsatzfragen und iGZ-Geschäftsführer Dr. Martin Dreyer, fordert eine politische Stützung des Tarifvertragssystems.
MdB Beate Müller-Gemmeke (Grüne, r.), hier im Gespräch mit Andrea Resigkeit, iGZ-Fachbereichsleiterin politische Grundsatzfragen und iGZ-Geschäftsführer Dr. Martin Dreyer, fordert eine politische Stützung des Tarifvertragssystems.

In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der tarifgebundenen Unternehmen um sechs Prozent gesunken, und damit kommen inzwischen laut Zeitung deutlich weniger als die Hälfte der Beschäftigten in den Genuss der Vorteile eines Branchentarifvertrages. Arbeitsplätze mit Tarifvertrag gewährleisten ein höheres durchschnittliches Einkommen.

Höherer Einstiegslohn

Das gilt beispielsweise auch für den Einstiegslohn in der Zeitarbeitsbranche: 60 Cent mehr – 9,79 Euro – kassiert eine ungelernte Hilfskraft in der Zeitarbeit im Vergleich zu einem Beschäftigten, der nach dem gesetzlichen Mindestlohn (8,19 Euro) bezahlt wird. Hinzu kommen für über 60 Prozent der Zeitarbeitnehmer in elf Branchen die Branchenzuschlagstarifverträge. Zeitlich gestaffelt in sechs Stufen wird ihr Gehalt an das der Stammmitarbeiterschaft angeglichen. Vorteil gegenüber Equal Pay nach neun Monaten: Die erste Gehaltserhöhung gibt´s schon nach nur sechs Wochen.

Strukturen unterschiedlich

Die viel zitierten Lohnunterschiede relativieren sich bei näherer Betrachtung ebenfalls: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) wies Anfang des Jahres darauf hin, dass ein pauschaler Vergleich der Verdienste in Zeitarbeit und Nicht-Zeitarbeit kaum Aussagekraft besitze. Der einfache Vergleich der Entgeltstrukturen von Zeitarbeitnehmern und Nichtzeitarbeitnehmern sei nicht sehr aussagekräftig, auch wenn er häufig vorgenommen werde. Grund: Zeitarbeitnehmer und Nichtzeitarbeitnehmer unterscheiden sich in ihren Strukturen deutlich. Würden Zeitarbeitnehmer, so die BA, in Bezug auf das Anforderungsniveau (Helfer, Fachkraft, Spezialist und Experte) und andere Merkmale die gleichen Strukturen wie Nichtzeitarbeitnehmer aufweisen, würde das Medianentgelt der Zeitarbeitnehmer deutlich höher liegen.

Tarifpartnerschaft

Auch das Mitglied des Bundestags (MdB), Beate Müller-Gemmeke (Grüne), reagierte laut RP auf die Antwort der Bundesregierung, die sie auf ihre Frage hin bekommen hat: Wenn in manchen Branchen die Tarifpartnerschaft nicht mehr funktioniere, müsse das Tarifvertragssystem politisch gestützt und gestärkt werden. Diese Tarifpartnerschaft ist für die Zeitarbeit längst eine Selbstverständlichkeit. (WLI)

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