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iGZ-Hauptgeschäftsführer plädiert für mehr Offenheit
01.02.2018

Zeitarbeit im öffentlichen Dienst kein Tabu

„Zeitarbeitseinsätze etwa auch in Kommunalverwaltungen als Flexibilitätspuffer – nein, danke“, heißt es leider immer noch häufig, wenn es um den Einsatz dieser Beschäftigungsform im Öffentlichen Dienst geht.

Völlig zu Unrecht, meinte iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz, der auf Einladung von Bürgermeister Axel Linke mit dem Personalrat ausführlich in der Stadtverwaltung Warendorf über diese Fragen rund um Personaldienstleistungen referierte und anschließend lebhaft diskutierte.

Personalmangel

Anlass des Gespräches war ein konkreter Fall: In den städtischen Kindergärten erkrankten gleich mehrere Mitarbeiterinnen gleichzeitig, so dass die Kolleginnen den Personalmangel nicht mehr auffangen konnten. Kurzfristig wurde für einige Wochen eine Erzieherin gesucht – aber auf dem freien Markt nicht gefunden. „Eine Zeitarbeitsfirma hätte aber sofort eine Fachkraft mit den erforderlichen Qualifikationen gehabt“, schildert die Leiterin der inneren Verwaltung, Silke Middendorf rückblickend. 

Aufklärung

Damals entschied sich der Personalrat gegen den Einsatz von Zeitarbeitskräften. Grund waren ganz grundsätzliche Bedenken gegenüber der Branche. Werner Stolz setzte sich mit diesen Vorbehalten detailliert auseinander und klärte die Beteiligten auf, wie sich in den letzten Jahren aufgrund veränderter gesetzlicher und vor allem tariflicher Rahmenbedingungen ein Paradigmenwechsel im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung auf dem Markt vollzogen hat.

Alternative

„Zeitarbeit ist zu einer attraktiven Alternative mit fairen Konditionen geworden, auch wenn es in Verwaltungsabläufen darum geht, Engpässe fix und ohne großen bürokratischen Aufwand zu überbrücken“, so Stolz. Auch ein Vergleich der Branchen-Tariftabellen mit dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) zeige, dass es gerade in den unteren Einstiegs-Entgeltgruppen keine gravierenden Gehaltsunterschiede mehr gebe. Und der Zeitarbeits-Tariflohn sei nur die einzuhaltende Lohnuntergrenze - das Minimum, mehr gezahlt werden könne immer.

Flexibilität

„Ich habe als Stadtverwaltungschef kein Interesse daran, dass externe Mitarbeiter schlechter gestellt werden, denn das vorübergehende Einstellungskriterium lautet für mich in erster Linie mehr Flexibilität“, betonte Bürgermeister Linke. Der relativ hohe Verrechnungssatz für geleistete Arbeitsstunden der Zeitarbeitskräfte rechtfertige sich durchaus, wenn man sich andererseits die Kosten unter anderem für Stellenausschreibungen und die langwierige Bewerberauswahl vergegenwärtige.

Mehrfach-Chancen

Eine weitere thematisierte Sorge war in dem Gespräch auch, dass Zeitarbeitskräfte ja nur eine begrenzte Zeit zum Einsatz kämen und dann in eine unsichere Zukunft abgemeldet würden. iGZ-Hauptgeschäftsführer wies auf die Mehrfach-Chancen des flexiblen Personals hin: „Viele sagen zu Recht - lieber unbefristet bei einer Zeitarbeitsfirma eingestellt sein als nur befristet in einem Betrieb beschäftigt. Eine Zeitarbeitskraft wird nach einem Einsatz anderweitig eingesetzt oder bekommt zumindest den Lohn erst einmal weiter gezahlt. Auch eine Übernahme beim Kundenunternehmen kommt häufig vor. Die Zeitarbeitskraft habe insoweit keine schlechteren Zukunftsaussichten.“

Aufklärungsarbeit

Am Ende des über zweistündigen Meinungsaustausches bedankte sich Personalratschef Michael Holzkamp beim Referenten Werner Stolz für die Aufklärungsarbeit und den kompetenten Einblick in die nicht immer allseits bekannten Verästelungen der Zeitarbeit. „Schön, dass ich Sie ein wenig von den Vorteilen der Branche überzeugen konnte“, bedankte sich Stolz abschließend und wünschte sich, dass zukünftig auch Kommunalverwaltungen noch unbefangener und selbstverständlicher ohne Tabus mit dem Einsatz von externen Personal umgehen würden. „Davon profitieren letztlich  alle: das Stammpersonal in den Verwaltungen wird entlastet, und die Bürgerschaft profitiert von mehr Service.“ (AA)

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