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Rita Bliefernich, 59, von der Kinder-Integrationshelferin zur Altenpflegerin
04.06.2020

Zeitarbeit: Eine gute Wahl. Auch in der Coronakrise.

Normalerweise würde sie sich jetzt um die Kleinsten unserer Gesellschaft kümmern, aber was ist in diesen Zeiten schon normal. An einem ganz normalen Arbeitstag hilft Rita Bliefernich Integrationskindern in einer kirchlichen Einrichtung. Sie unterstützt Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung, sich besser im Kindergarten zurecht zu finden. Doch durch die Coronakrise ist alles anders: Seit Anfang März ist die Einrichtung der Malteser im Notbetrieb, die 59-jährige Duisburgerin wurde in Kurzarbeit geschickt. „Zuhause habe ich es nicht lange ausgehalten, ich habe ein Helfer-Syndrom – also in positiver Weise,“ sagt die 59-Jährige von sich selbst und lächelt verschmitzt.

Rita Bliefernich, 59, von der Kinder-Integrationshelferin zur Altenpflegerin: „Weil ich mir selbst und anderen helfen kann.“
Rita Bliefernich, 59, von der Kinder-Integrationshelferin zur Altenpflegerin: „Weil ich mir selbst und anderen helfen kann.“

„Also habe ich mich im Internet auf die Suche gemacht und bin auf AVP Personal in Essen gestoßen.“ Ein klassischer Fall von „gesucht und gefunden“, denn das iGZ-Mitgliedsunternehmen hat sich auf die Vermittlung von Pflegekräften spezialisiert. Rita Bliefernich hat vor zwölf Jahren eine Zusatz-Qualifizierung zur Seniorenpflegerin gemacht – das kommt ihr und den Senioren in einer Altenpflegeeinrichtung in Duisburg-Rheinhausen nun zugute. Denn hier arbeitet sie jetzt als Zeitarbeitnehmerin und kümmert sich um die Ältesten unserer Gesellschaft.

Wenn der Mund nicht lächeln kann, lächeln die Augen

„Der Job ist schon so nicht einfach, aber während der Coronakrise ist er doppelt schwierig,“ erzählt Bliefernich. „Meine Kolleginnen und Kollegen und ich – wir sind nicht einfach nur Pflegekräfte, wir fangen die Menschen auf. Aber das ist ohne Nähe so schwierig.“ Früher habe sie die alten Leute einfach mal in den Arm genommen und getröstet, jetzt muss sie den Abstand einhalten und versucht, mit Worten die Einsamkeit und Traurigkeit der Senioren zu vertreiben. „Wenn mein Mund hinter der Maske nicht zu sehen ist, versuche ich, besonders stark mit meinen Augen zu lächeln und den Menschen zu zeigen, wie gern ich sie habe und dass ich für sie da bin.“ Die Dankbarkeit und Wertschätzung, die sie bei ihrer Arbeit von den Senioren spürt, hat sie auch einen Entschluss fassen lassen: Auch wenn sie später wieder als Integrationshelferin arbeiten kann, wird sie auch nach der Coronakrise in dem Altenpflegeheim in Duisburg weitermachen – am Wochenende und auf 450 Euro-Basis. „Das Zusammensein mit den alten Menschen gibt mir so viel, das möchte ich nicht mehr missen.“

Wertschätzung – aber nicht von jedem

Ein Punkt stört die Frau mit dem großen Herz aber doch: „Als Pflegekraft aus der Zeitarbeit ernte ich immer wieder böse Blicke und rollende Augen. An meinem ersten Tag habe ich gehört, wie ein Kollege hinter der vorgehaltenen Hand gesagt hat: „Müssen wir schon wieder mit Zeitarbeitspersonal arbeiten?“. "Ich habe ihn dann direkt gefragt, ob er gerne Doppelschichten mache." Das habe ihn dann zum Nachdenken gebracht, denn schließlich helfe sie als Zeitarbeitspflegekraft nicht nur den Senioren, sondern unterstütze und entlaste auch die Pfleger. „Zeitarbeitspfleger werden oft leider als Pfleger zweiter Wahl und ungeliebter Dritter gesehen,“ berichtet AVP-Geschäftsführerin Anke Vierow aus ihrer Erfahrung in der Branche. „Dabei sind wir maximal flexibel und immer da, wo wir gebraucht werden.“ So wie aktuell Rita Bliefernich, die sich gerade nicht um die Kleinsten, sondern um die Ältesten unserer Gesellschaft kümmert und sie die Coronakrise ein bisschen vergessen lässt. (SaS)

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