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Landeskongress Ost: Stolz zu den Herausforderungen für Zeitarbeit
28.05.2019

Verqueres Unternehmerbild in Deutschland

Eine der zentralen Herausforderungen der Zeitarbeitsbranche ist das Image und dessen Wandel, stellte Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), beim Landeskongress Ost in Magdeburg fest. Das, so Stolz, sei das Ergebnis der Recherche nach den wesentlichen Anforderungen, denen sich die Zeitarbeit zu stellen habe.

„In Deutschland existiert ein verqueres Unternehmerbild“, betonte Werner Stolz beim iGZ-Landeskongress Ost in Magdeburg.
„In Deutschland existiert ein verqueres Unternehmerbild“, betonte Werner Stolz beim iGZ-Landeskongress Ost in Magdeburg.

Dabei lasse sich feststellen, dass es, so der Hauptgeschäftsführer vor rund 100 Zuhörern, nie nur um

ist der Oberbegriff, unter dem sich Dienstleistungen wie Zeitarbeit, oder Personalvermittlung fassen lassen.

gehe. „Vielmehr existiert in Deutschland ein verqueres Unternehmerbild“, betonte Stolz. Natürlich gebe es negative Auswüchse wie überall sonst auch. Problem sei, dass dadurch das Vertrauen ins Unternehmertum zerstört werde. Dieses Bild werde dann auf alle Unternehmer generalisiert.

Risiken

Stolz: „Beim Blick auf die Unternehmerwelt wird nie darüber gesprochen, dass von Selbstständigen Risiken und Verantwortung übernommen werden.“ Niemand, der Unternehmer sei, habe einen Acht-Stunden-Tag, sondern sei ständig beschäftigt. Angesichts der negativen Darstellung sei es wichtig, „dass wir Farbe bekennen, unsere Leistungen dokumentieren und auch öffentlich verbreiten.“  

Problemdruck

Zum Thema Fachkräftemangel äußerte er, der Problemdruck auf dem Arbeitsmarkt habe entscheidend dazu beigetragen, dass der Arbeitsmarkt für Flüchtlinge über Zeitarbeit geöffnet wurde. Der iGZ-Hauptgeschäftsführer kündigte in diesem Zusammenhang an, dass im September sehr wahrscheinlich die Vorrangprüfung ganz abgeschafft werde. Damit habe die Zeitarbeit dann mehr Möglichkeiten im Bereich der Ausländerbeschäftigung.

"Zeitarbeitsroboter"

Stolz warnte zudem davor, bei Qualifizierung und Weiterbildung als Zeitarbeit außen vor zu bleiben. Trotz „Arbeitswelt 4.0“ werde es keinen „Zeitarbeitsroboter“ geben. „Die Digitalisierung findet im

Als bezeichnet man das Zusammenspiel der Akteure innerhalb der Zeitarbeit. Hierzu gehören der Zeitarbeitnehmer (ZAN), das Zeitarbeitsunternehmen (ZUN) sowie das Kundenunternehmen (KU). Der ZAN schließt mit dem ZUN einen Arbeitsvertrag ab, der alle einschlägigen arbeitsrechtlichen Leistungen enthält. Der ZUN schließt wiederum mit dem KU einen Überlassungsvertrag ab, der den Einsatz des ZAN beim KU regelt. Arbeitgeber und Dienstherr des ZAN bleibt in jedem Fall das ZUN.

statt. Die Anforderungen wandeln sich. Die Profile der Mitarbeiter müssen den Bedarfen der Kunden angeglichen werden“, prognostizierte er für die nächsten Jahre.

Wesentlicher Vorteil der Zeitarbeit gegenüber den herkömmlichen Beschäftigungsverhältnissen ist die . Mit Hilfe der Zeitarbeit können Unternehmen auf schwankende Auftragslagen flexibel reagieren.

Die Personaldienstleistung wandele sich – es werde schon jetzt vermehrt auf Freelancer über Zeitarbeit zugegriffen. Zeitarbeit biete den Kunden mehr Flexibilität und Sicherheit. Für die kommenden Tarifverhandlungen ab Herbst kündigte Stolz an, der Manteltarifvertrag werde diesmal in der Diskussion stehen: „Seit Beginn der Regelung 2003 ist der Manteltarif nie angepasst worden“, erläuterte er das Ansinnen.

Evaluierung

Weitere Aufgabe sei die Evaluierung 2020 der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (

Das deutsche Arbeitnehmerüberlassungsgesetz ( ) vom 7. August 1972 regelt die gewerbsmäßige Überlassung von Arbeitnehmern. Es diente ursprünglich ausschließlich dem sozialen Schutz der Zeitarbeitnehmer und sollte diese insbesondere vor Ausbeutung bewahren. Das AÜG stellt die gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung unter einen so genannten Erlaubnisvorbehalt, d. h. der Verleiher bedarf der behördlichen Erlaubnis. Dies gilt auch für Verleiher mit Sitz im Ausland. Die Erlaubnis erteilt die .

), die – so Stolz – sehr ernst zu nehmen sei. „Das kann uns auf die Füße fallen, wenn wir nicht die Interpretationshoheit der Untersuchungen bekommen“, mahnte er zur Wachsamkeit. Die Branche müsse aufpassen bei den Befragungen zur Novelle des AÜG. Auch gegenüber der Politik gelte es aufzupassen, um die Tariffähigkeit zu wahren. „Wir werden nur ernst genommen, wenn wir auch sprachfähig sind“, unterstrich er. Im Zweifel gelte es eben auch mal, das kleinere Übel bei Verhandlungen durchzusetzen.

Qualitätsstandards einhalten

Die Zeitarbeit müsse dabei die Qualitätsstandards einhalten, ständig verbessern und genau beobachten, um ins Ziel zu kommen. „Wir müssen gemeinsam die richtigen Themen und Kampagnen entwickeln und nicht das eigene Licht unter den Scheffel stellen“, appellierte er für Zusammenarbeit. (WLI)

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