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iGZ-Mitglieder diskutierten über Sicherung des Fachkräftepotenzials
18.06.2015

Rekrutierungswege parallel nutzen

„Wir müssen der traurigen Realität des demografischen Wandels ins Auge sehen und auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel angemessen reagieren“, fasste Oliver Nazareth, kommissarischer Landesbeauftragter für Berlin und Brandenburg, die nächsten Schritte der iGZ-Verbandsarbeit im Rahmen eines iGZ-Mitgliedertreffens in Berlin zusammen.

Ein Weg zur Sicherung des Fachkräftepotenzials der Branche könne die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und die Rekrutierung internationaler Fachkräfte sein. Daher gelte es nun, die Bekanntheit des Anerkennungsgesetzes weiter zu steigern und die Mitgliedsunternehmen näher über dessen Perspektiven zu informieren.

Große Bereitschaft

Aktuellen Studien zufolge sind rund 80 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) grundsätzlich bereit eine Fachkraft mit ausländischem Abschluss einzustellen. Damit das gelingt, würden zwei Drittel von ihnen die Unterstützungsleistungen übernehmen. Dennoch, so Andrea Tittel von der Arbeitsagentur, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, müssten die kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei wesentlich stärker als ihre Kollegen aus den großen Betrieben „an die Hand genommen“ werden.

Übersichtliches Verfahren

Eine große Herausforderung stelle generell der „Hürdenlauf“ bis zur Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses dar. Dabei werde zwischen der beruflichen Anerkennung durch IHK und HWK bei den Ausbildungsberufen und einer schulisch-akademischen Anerkennung bei den Akademikern unterschieden. „Wir haben es mit einem recht übersichtlichen Verfahren zu tun“, ermunterte Andrea Tittel, diesen Schritt zu gehen: „Spätestens drei Monate nach Vorliegen der vollständigen, anzuerkennenden Unterlagen muss ein Anerkennungsbescheid ausgestellt werden.“

Einige Hürden

Häufig stellten die hohen Kosten des Anerkennungsverfahrens, die mit 100 bis 600 Euro zu Buche schlagen und vom Antragsteller zu tragen sind, eine hohe Belastung dar. Hiervon seien unter anderem Übersetzungen, Beglaubigungen und Anpassungsqualifizierungen zu zahlen. Aber auch der Aufwand, der für den Spracherwerb betrieben werde, sei mit bis zu 600 Unterrichtsstunden nicht zu unterschätzen. Nazareth: „Ziel muss sein, über eine Landesinitiative einen Fonds zu schaffen, damit dieses Verfahren für alle Interessierten finanzierbar bleibt.“

Rekrutierungswege nutzen

Über die Vorteile einer internationalen Belegschaft informierte Dr. Sandra Vogel vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. „Den hiesigen Unternehmen bietet sich die Möglichkeit, vom deutschen Arbeitsmarkt unabhängig zu werden, neue Märkte zu erschließen und von der Kreativität gemischter Teams zu profitieren“, appellierte sie. Dabei sei die parallele Nutzung ganz unterschiedlicher Rekrutierungswege empfehlenswert, zum Beispiel über die Unternehmenshomepage, Online-Jobbörsen, soziale Netzwerke oder bereits bestehende Kontakte ins Ausland. Vogel: „Regelmäßige Beratungen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen von Einreise, Aufenthalt und Arbeitsaufnahme bietet die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV).“ Weitere Informationen: www.make-it-in-Germany.de (BR)

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