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"Die Zeit" analysiert Zeitarbeit in der Pflegebranche
27.11.2019

"Nur die Zeitarbeit bietet die richtigen Bedingungen"

"Ein Verbot der Zeitarbeit wird den Fachkräftemangel noch verschärfen", zitiert die Zeit-Redakteurin Tina Groll die Leiterin des DRK-Seniorenheims in Dietzenbach, Annamaria De Vero. „Ohne die Zeitarbeitskräfte müssten wir darüber nachdenken, das Heim zu schließen", findet die Chefin der Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes drastische Worte. In einer fundierten Analyse nahm Groll die Situation der Zeitarbeit in der Pflegebranche in der Wochenzeitung „Die Zeit“ unter die Lupe.

Ein Verbot der Zeitarbeit in der Pflege wird weder die Kosten senken noch die Qualität der Pflege verbessern.
Ein Verbot der Zeitarbeit in der Pflege wird weder die Kosten senken noch die Qualität der Pflege verbessern.

„Bessere Bezahlung und mehr Mitsprache machen Zeitarbeit für Pflegekräfte attraktiv. Eine Bundesratsinitiative wolle Zeitarbeit jedoch verbieten, weil sie zu teuer sei“, stellt die Autorin eingangs fest. Das Verbot solle eine weitere Abwanderung von Fachkräften verhindern, die Qualität der Pflege verbessern und die Versorgung sowie Patientensicherheit gewährleisten. Befürwortet werde dieser Vorstoß vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa).

BA-Statistik

Den Argumenten kontra Zeitarbeit – unter anderem zu hohe Kosten und Arbeitszeiteinsatzwahl der Zeitarbeitskräfte – stünden die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit entgegen: Laut BA betrage der Gesamtanteil der Zeitarbeitnehmer in der Pflege nur zwei Prozent (2018). Zwar habe die BA eine Zunahme registriert, die allerdings auf einem sehr niedrigen Ausgangsniveau fuße: „2014 waren 8.000 Beschäftigte als Zeitarbeitskräfte in der Altenpflege bei der BA gemeldet, vier Jahre später waren es 12.000 – bei 600.000 Beschäftigten in der Branche insgesamt.“

Vergleich nicht haltbar

Peter Szauder, Geschäftsführer des iGZ-Mitgliedsunternehmens „Taskhopper“, kommt mit Blick auf den Kostenvorwurf ebenfalls in der „Zeit“ zu Wort: Zeitarbeitnehmer seien im Schnitt nur zehn Prozent teurer als fest angestelltes Personal. „Viele Pflegeheime vergleichen den Bruttostundenlohn ihrer eigenen Mitarbeiter mit den Kosten je Stunde eines Mitarbeiters aus der Zeitarbeit. Rein wirtschaftlich ist dieser Vergleich nicht haltbar. Zu den internen Bruttolohnkosten kommen weitere hinzu, etwa die Kosten für Urlaubs- und Krankentage – gerade die Kosten für Langzeiterkrankte, von denen es in der Pflege viele gibt, sind sehr hoch,“ betont der Geschäftsführer. Ein Verbot der Zeitarbeit in der Pflege werde also weder die Kosten senken noch die Qualität der Pflege verbessern.

Manko der Pflegebranche

Das eigentliche Manko – die Pflegebranche ist außerstande, das für die Mitarbeiter zu leisten, was in der Zeitarbeit Alltag ist, wird in dem Artikel spätestens beim Statement der examinierten Altenpflegerin Natascha Elgnowski offensichtlich: „Ich beobachte, dass sich vor allem die jungen und sehr gut ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen für die Zeitarbeit entscheiden. Besonders Zeitarbeitskräfte nehmen Fortbildungen in Anspruch: Außerdem tragen die immer neuen Einsätze in verschiedenen Heimen automatisch zu einem breiten Erfahrungsschatz bei.“ Weil Zeitarbeitskräfte, so Elgnowski, ihre Einsätze selbst bestimmen können, kommen sie auch ausgeruhter und entspannter zu Arbeit. Nur in der Zeitarbeit finde sie Bedingungen vor, die es ihr möglich machen, in diesem Beruf auch dauerhaft arbeiten zu können. (WLI)

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