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iGZ-Mitglied überlässt Schwimmmeister
12.07.2018

Nicht nur ein Beruf – sondern echte Berufung

Die Idee zur Selbstständigkeit wuchs schleichend. „Es fehlte ständig und überall Personal. Und durch mein gutes Netzwerk kannte ich sehr viele Schwimmmeister. Da dachte ich mir irgendwann: Warum nicht beide Seiten zusammenbringen?“ Fünf Jahre ist es jetzt her, dass Jürgen Hoffmann das iGZ-Mitgliedsunternehmen Aqua-Power gründete. Inzwischen beschäftigt er insgesamt 40 Mitarbeiter.

Jürgen Hoffmann, Geschäftsführer Aqua-Power, genießt es immer mal wieder selbst am Beckenrand zu stehen.
Jürgen Hoffmann, Geschäftsführer Aqua-Power, genießt es immer mal wieder selbst am Beckenrand zu stehen.

Zusätzlich zu ausgebildeten Fachkräften für den Bäderbetrieb seien das auch Rettungsschwimmer, die nebenberuflich, aber auch festangestellt, bei ihm arbeiten. „Viele Zeitarbeitsfirmen überlassen ja ‚nebenbei‘ Zeitarbeitskräfte in den öffentlichen Dienst. Ich habe mich aber auf das Kerngeschäft spezialisiert. Da habe ich die meiste Erfahrung“, erläutert Hoffmann. Er beschäftige deshalb zum Beispiel keine Reinigungskräfte oder Gastronomiekräfte.

Entscheidung pro Zeitarbeitsfirma

Erfahrung bringt der 54-Jährige genug mit. Rund 30 Jahre lang arbeitete er als Schwimmmeister im öffentlichen Dienst. Zuletzt war Hoffmann Betriebsleiter in einem Schwimmbad. Die Zeitarbeitsfirma lief zunächst nebenher. „Zum 30. Juni habe ich dann aber meine Festanstellung gekündigt“, erläutert der Schwimmmeister. Beides parallel sei einfach zu viel geworden. Und da angesichts knapper städtischer Haushalte ohnehin immer wieder die Schließung von Bädern im Raum stehe, sei ihm die Entscheidung pro Zeitarbeitsfirma leichtgefallen.

Hohe Nachfrage von Kommunen

„Das ist im Übrigen auch der Grund für die hohe Nachfrage von Kommunen nach Zeitarbeitskräften in der Branche“, so Hoffmann. Wenn unklar sei, wie lange das Schwimmbad noch betrieben werde, würden viele Kommunen vor einer Festanstellung zurückschrecken und lieber etwas mehr Geld für Zeitarbeitskräfte bezahlen.

Unterstützung des Verbandes

Hoffmann musste sich in die Aufgaben des Zeitarbeitsunternehmers erst einmal einarbeiten. „Dazu habe ich viele Seminare des iGZ besucht“, erinnert er sich. Die Juristen des Verbandes unterstützten ihn auch dabei, die Anforderungen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst mit dem der Zeitarbeitsbranche zu vereinbaren. „Das war schon eine große Hilfe für mich.“

Bekannt in der Branche

Inzwischen habe er aber ausreichend Routine in den anfallenden Tätigkeiten. „Bei Aqua-Power mache ich fast alles alleine“, erklärt er. Akquise, Arbeitsverträge, Dienstpläne – all das liege in seiner Hand. „Lediglich bei der Lohnabrechnung hilft mir meine Lebensgefährtin, die ist Steuerfachangestellte“, berichtet Hoffmann. Der Akquise-Aufwand sei allerdings glücklicherweise überschaubar. „Ich habe nicht mal eine Internetseite, die brauche ich nicht. Ich arbeite ja eher lokal in einer kleinen Branche, da kennt man sich“, erklärt Hoffmann

Ganzjahresverträge für die Mitarbeiter

Die meisten seiner Mitarbeiter seien im Rhein-Main-Gebiet eingesetzt, nur wenige weiter weg. Oftmals dauere eine Überlassung die gesamte Freibadsaison; kurzfristige Krankheitsvertretungen gebe es aber natürlich auch. „Trotz der starken Nachfrageschwankungen haben meine Mitarbeiter aber alle Ganzjahresverträge“, betont Hoffmann. Viele würden im Winter Überstunden abbauen. Einer seiner Mitarbeiter sei zum Beispiel von Januar bis März durch Südafrika gereist. Außerdem gebe es Einsatzmöglichkeiten in Hallenbädern. Oft würden Bäder auch deshalb Zeitarbeitskräfte engagieren, um etwas frischen Wind in die Belegschaft zu bringen. „Meine Mitarbeiter organisieren dann zum Beispiel Saunanächte oder andere kreative Sonderaktionen“, so der Zeitarbeitgeber.

Großer Personalbedarf

Die Bezahlung richte sich nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. „Das haben sich meine Kunden ausdrücklich so gewünscht“, erklärt Hoffmann. In einer Branche, in der das Personalangebot sehr klein und der Personalbedarf sehr groß sei, sei Equal Treatment überhaupt kein Problem. Seine Mitarbeiter bekommen deshalb auch grundsätzlich 30 Tage Urlaub. Viele hätten zusätzlich ein eigenes Dienstfahrzeug. „Unterm Strich verdienen meine Mitarbeiter am Ende sogar mehr als städtische Beschäftigte“, stellt der Unternehmer fest. Das liege daran, dass er seinen Mitarbeitern – im Gegensatz zu den Kommunen – die Überstunden auf Wunsch auszahlen könne. In den Kommunen sei dafür im Haushalt meistens kein Budget eingeplant.

Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter

Hoffmann legt viel Wert auf Eigenverantwortlichkeit. „Ich versuche schon, mich ab und zu aus dem Tagesgeschäft herauszuziehen, um meine Mitarbeiter vor Ort zu besuchen“, erläutert er. Grundsätzlich verlasse er sich aber auf seine Angestellten. „Die genießen das auch, dass sie gewisse Freiheiten haben.“

Berufung als Schwimmmeister

So sehr ihm die Arbeit als Zeitarbeitsunternehmer auch gefällt – so ganz kann er seinen alten Job dennoch nicht an den Nagel hängen. „Wenn Not am Mann ist, stehe ich auch immer wieder selbst am Beckenrand“, schmunzelt er. Am Ende ist es eben doch nicht nur ein Beruf, sondern echte Berufung. (ML)

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