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iGZ-Serie: Personaldienstleistungen - Folge 4: Projektmanagement
03.08.2015

Mangelnde Klarheit über Angebotsumfang

Projekte zu managen, die dem Kunden viel Aufwand abverlangen würden, das klingt für die Branche nach einer tragfähigen und zukunftsträchtigen neuen Dienstleistung. Tatsächlich herrscht unter Dienstleistern und Kunden Irritation darüber, was eigentlich unter Projektmanagement in der Zeitarbeit zu verstehen ist. Auch Experten sind ratlos.

Die Zeitarbeitsbranche positioniert sich mit neuen Dienstleistungsangeboten gegenüber ihren Kunden. Im Recruiting geht man weit über das Kerngeschäft der Arbeitnehmerüberlassung hinaus: Zeitarbeitsfirmen unterstützen Unternehmen bei der Erprobung und Übernahme von Kandidaten (Temp-to-Perm) sowie bei der Suche nach händeringend umworbenen Fachkräften (Direct Search). Spürbar zieht die Nachfrage an, Aufgaben der Rekrutierung unter dem Stichwort RPO (Recruitment Process Outsourcing) an die Partner auszulagern. Kurz: Mit dem Recruiting hat die Branche auch aus Sicht ihrer Kunden ein überzeugendes Dienstleistungsangebot gefunden.

Überraschendes Ergebnis

Ebenfalls erfolgreich ist die Zeitarbeit mit weiteren neuen Dienstleistungsangeboten wie der Personalvermittlung und vor allem Managed Services, etwa MSP oder Onsite Management. Wie die bisherigen Beiträge der Reihe zeigten, wissen Unternehmen, worauf sie sich einlassen und was sie von ihrem Partner erwarten können. Ganz anders jedoch verhält es sich beim Projektmanagement. Wie aktuelle Umfragen unter Zeitarbeitsfirmen nahe legen, scheint diese Dienstleistung immer interessanter zu werden. Die Recherche zu diesem Beitrag kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis.

Personalplanung als Dienstleistungsangebot

Das Positive vorweg: Inhaltlich könnte Projektmanagement sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Zwei Beispiele zeigen, wie sich eine solche Dienstleistung von anderen, etwa den oben skizzierten Angeboten unterscheidet oder wie sie diese im Zweifel ergänzen könnte. Ein süddeutsches Medienhaus, das mit einem Zeitarbeitspartner in der Arbeitnehmerüberlassung kooperiert, stößt bei Planung und Organisation des Schichtbetriebs an seine Grenzen. Dem dafür zuständigen Mitarbeiter beim Kunden bleibt immer weniger Zeit für seine eigentlich vorrangigen Aufgaben. Ergebnis: Der Dienstleister nimmt ihm diese komplexe Aufgabe ab und entwickelt daraus eine neues Projektmanagement genanntes Dienstleistungsangebot, das sich auch an Call Center und Lettershops richtet, wo ebenfalls im Schichtdienst gearbeitet wird.

Hilfe bei Unternehmensumzügen

Im zweiten Beispiel geht es um einen Umzug. Bei einem namhaften Industrieunternehmen sind via Arbeitnehmerüberlassung zahlreiche kaufmännische Kräfte des Personaldienstleisters eingesetzt. Während der mehrwöchigen Umzugszeit droht ihre Tätigkeit unterbrochen oder gar beendet zu werden. Erfolgreich überzeugt der Dienstleister seinen Kunden, die drohende Zwangspause zu vermeiden. Er mietet temporär Büroräume an, stattet die Arbeitsplätze wie bei seinem Kunden aus und entwickelt obendrein eine IT-Lösung, um einen sicheren Datentransfer zu gewährleisten. Diese Dienstleistung könnte theoretisch auch anderen Unternehmen angeboten werden.

Vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen erforderlich

Grundlage für solche zweifellos umsatzfördernden Angebote sind tragfähige, vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen. Sie ermöglichen dem Dienstleister, Überzeugungsarbeit zu leisten - indem er Potenziale identifiziert, um kundeninterne Prozesse oder seine Kooperation mit dem Kunden zu verbessern. Ein solcher Wissenstransfer stärkt das Vertrauensverhältnis und es schafft Mehrwert, indem es etwa zur Einsparung oder Vermeidung von Headcount beiträgt. So unterstreichen Personaldienstleister nicht nur ihre Flexibilität, so tragen sie auch zu höherer Wirtschaftlichkeit bei. Je überzeugender der Dienstleister auftritt, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde seinerseits irgendwann fragt: „Könntest Du nicht auch dies oder jenes für uns tun?“

Ratlosigkeit

Allem Anschein nach handelt es sich bei diesen Beispielen noch um Ausnahmen. Das zeigt zumindest die Recherche zu diesem Beitrag. Angesprochen auf die vermeintliche Dienstleistung Projektmanagement, reagieren Personalverantwortliche, die über langjährige Erfahrung mit der Zeitarbeit verfügen, ausgesprochen ratlos. „Warum ich dafür ein Zeitarbeitsunternehmen beauftragen sollte, erschließt sich mir nicht“, sagt ein Personalleiter eines internationalen Logistikbetriebs mit Sitz in Nordrhein-Westfalen.

Unklare Begriffsdefinitionen

Damit nicht genug: Wo eigentlich Klarheit über das Dienstleistungsangebot herrschen müsste, wird um den heißen Brei herumgeredet. Im Durchschnitt zwei von drei Personaldienstleistern betonen, hinter dem Angebot Projektmanagement verberge sich tatsächlich RPO oder MSP. Andere räumen hinter vorgehaltener Hand ein, dass sie es mit dem „Wording“ offenkundig nicht so genau nehmen. Projektmanagement, heißt es etwa bei einem der führenden Anbieter, sei keine Dienstleistung, „die sauber ausformuliert ist“. Verwiesen wird auf die Consulting-Branche, in der die Verwendung von „Worthülsen“ ebenfalls gebräuchlich sei.

Angebotsbezeichnungen nicht eindeutig

Diesen Eindruck bestätigen Marktbeobachter. Statt „Projektmanagement“ bezeichnen sie das „Projektgeschäft“ als kalkulierbare Größe. Zusammengefasst werden darin allerdings jene Dienstleistungen, die meist auf Basis von Dienstverträgen mit IT-Freelancern erbracht werden. Die Irritation, die mit der sogenannten neuen Dienstleistung „Projektmanagement“ einhergeht, wird von Experten bestätigt. Dass zahlreiche Personaldienstleister teilweise sogar auf ihren Websites mit diesem Angebot werben, tatsächlich aber MSP oder RPO meinen, führen Beobachter darauf zurück, dass man nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen möchte. „Ich vermute“, sagt ein langjähriger Kenner der Szene, „dass MSP oder RPO zu groß klingen und eher mit aufwändigem Change assoziiert werden.“ Anders ausgedrückt: Nach einer überzeugenden Angebotsstrategie klingt das nicht.

(Winfried Gertz, freier Journalist, München)

„Arbeitnehmerüberlassung wird in Zukunft immer noch ein wesentlicher Bestandteil bei der Organisation von Flexibilität für Unternehmen sein. Weitere Personaldienstleistungen werden sich aber bei einem voraussichtlich steigenden Flexibilitätsbedarf der Wirtschaft daneben etablieren. Welche zusätzlichen Geschäftsfelder auf unsere Unternehmen zukommen, stellen wir in einer Artikelserie dar, die jeweils zum Monatsersten auf www.ig-zeitarbeit.de veröffentlicht werden. Die Artikel erscheinen in Kooperation mit der Zeitschrift „Personalwirtschaft“. Der vorliegende Artikel stammt von Winfried Gertz.“

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