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Prof. Dr. Dietrich Thränhardt referierte in Münster
29.09.2015

Flüchtlingen eine Perspektive bieten

Welche Möglichkeiten zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gibt es? Diese und ähnliche Fragen diskutierte der iGZ-Bundesvorstand bei einem Treffen auf Einladung von iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz mit dem emeritierten Hochschulprofessor und Migrationsforscher Prof. Dr. Dietrich Thränhardt.

„Wie unterscheiden sich die aktuellen Flüchtlingsströme von früheren Migrationsbewegungen?“ Und vor allem: „Wie müssen sich Unternehmen der Zeitarbeit aufstellen, um für eine mögliche Aufhebung des Zeitarbeitsverbots für Flüchtlinge gewappnet zu sein?“, waren weitere Fragestellungen.

Ohne Hab und Gut

Hauptunterschied zum Zustrom der „Gastarbeiter“ der 60er Jahre sei, dass derzeit vor allem die „gebildete Oberschicht“ aus Syrien, dem Iran und dem Irak nach Deutschland ströme, so Thränhardt. „Aber es werden andere nachkommen, wenn die Probleme in den Herkunftsländern selbst nicht gelöst werden“, prognostizierte der Migrationswissenschaftler. Viele von ihnen seien „nur mit einem Smartphone“ bekleidet. Sie kämen „ohne Hab und Gut“, was die Starbedingungen in Deutschland noch weiter verschärfe.

Dilemma

Aus Sicht des emeritierten Universitätsprofessors sei es tragisch, dass die Asylverfahren in Deutschland mittlerweile im Durchschnitt bis zu einem Jahr dauerten. Zwar bestehe nach langer Aufenthaltsdauer grundsätzlich Aussicht auf Integration durch Arbeit. Doch um die Zeit dahin zu überbrücken sieht Dietrich Thränhardt in der Zeitarbeit ein wichtiges Instrument. „Wir müssen den Flüchtlingen eine realistische Perspektive bieten“, forderte er. „Eine Perspektive auf Dauer, Integration und Bürgerrecht. Zeitarbeit kann dabei helfen.“

Hoher Integrationsfaktor

„Menschen, die Arbeit finden, werden nicht mehr als Hilfsbedürftige angesehen“, unterstrich der Migrationswissenschaftler. Überdies biete Arbeit die Möglichkeit, Anerkennung und Unabhängigkeit zu erfahren sowie soziale Kontakte auf Augenhöhe aufzubauen. In der anschließenden Diskussion des Bundesvorstands zeigte sich einmal mehr die Vielschichtigkeit der Thematik.

Der Hochschullehrer ist Autor der Studie „Die Arbeitsintegration von Flüchtlingen in Deutschland“, die er im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung verfasste. (BR)

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