iGZ-Regionalkreistreffen Rheinland in Köln

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Siegfried Boos

  • Regionalkreisleiter/in

Boos: Zeitarbeit hilft in Krisenzeiten

Welche Fortschritte gibt es bei der Integration von Flüchtlingen durch Zeitarbeit? Wie können die Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen? Und: Welche Erwartungen haben sie an eine Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG)? Diese Fragen diskutierten Mitglieder des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) auf Einladung von Siegfried Boos, Regionalkreisleiter Rheinland, in Köln.

Siegfried Boos, iGZ-Regionalkreisleiter Rheinland, leitete das Mitgliedertreffen in Köln.

Derzeit laufe die Gewinnung von Flüchtlingen für die Zeitarbeit nur schleppend, berichtete Boos. Fehlende Sprachkenntnisse der Bewerber und eine Fülle von Formalitäten, die seitens der Flüchtlinge, aber auch von den Zeitarbeitsunternehmen zu beachten seien, entwickelten sich für viele zum Hemmschuh. Gleichzeitig stelle der aktuelle Zustrom von einer Million Flüchtlingen die deutsche Wirtschaft vor ungeahnte Herausforderungen.

Optimistischer Blick nach vorn

„Immer, wenn die deutsche Wirtschaft vor sehr schwierigen Aufgaben stand, war Zeitarbeit besonders gefordert. Daher bin ich mir sicher, dass sich die Rahmenbedingungen für uns schon in naher Zukunft wieder verbessern statt verschlechtern werden“, schaute Siegfried Boos optimistisch in die Zukunft. Gerade die Zeitarbeitsbranche mit ihrer ausgeprägten Flexibilität und den niedrigschwelligen Einstiegsmöglichkeiten biete hervorragende Perspektiven zur Integration ausländischer Arbeitnehmer.

Große Verantwortung

Einvernehmen bestand bei den Teilnehmern des Treffens darüber, dass die langfristige Bindung von Arbeitnehmern immer schwieriger werde. Fast jeder war schon einmal damit konfrontiert, dass kompetente Arbeitnehmer von einem Kundenunternehmen abgeworben wurden. „Versuchen Sie, Ihre Fachkräfte von morgen nicht nur auf dem üblichen Weg durch Anzeigen oder die Arbeitsagentur zu erreichen, sondern schalten Sie auch private Arbeitsvermittler ein. Wenden Sie sich an die IHK oder bilden Sie einfach selber aus“, zeigte Boos Wege jenseits der ausgetretenen Rekrutierungspfade auf. Allerdings sei für den Ausbildungsberuf des Personaldisponenten nicht jeder Schulabgänger gleich gut geeignet: „Wir haben eine große Verantwortung für unsere Azubis und nicht jeder ist den vielfältigen Anforderungen der moderner Personaldienstleistungskaufleute gewachsen.“

Portion Kampfgeist

Beruhigt schauten die Mitglieder auf die Tatsache, dass Angela Merkel den Referentenentwurf von Andrea Nahles zur Reform des AÜG vorerst auf Eis gelegt hat. „Wir brauchen keine weiteren Regularien à la Nahles“, wetterte Boos. Käme es zur Umsetzung der von Nahles vorgeschlagenen Änderungen zur Begrenzung der Überlassungsdauer auf 18 Monate, würden mehr Zeitarbeitnehmer entlassen als in eine Festanstellung übernommen, warnte er vor einer Umsetzung der Reform. Aus der anschließenden, regen Diskussion entwickelte sich die Forderung, als „ultima ratio“ den Europäischen Gerichtshof anzurufen, um – falls erforderlich – auf diesem Wege eine Deregulierung zu erreichen. (BR)