Direkt zum Inhalt
Printer Friendly, PDF & Email
iGZ-Landeskongress NRW in Dortmund
21.11.2017

Zeitarbeit an der Schwelle zum Digitalzeitalter

Volles Haus in der Westfalenhalle Dortmund: Rund 300 Teilnehmer des iGZ-Landeskongresses NRW nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über die jüngsten Entwicklungen in der Zeitarbeitsbranche zu informieren. Ralf Lemle, iGZ-Landesbeauftragter für Nordrhein-Westfalen, begrüßte das Plenum und verwies in seiner Rede auf die vier aktuellen großen Herausforderungen für die Branche: Mitarbeitergewinnung, Digitalisierung, Kompetenzmanagement und Wettbewerbsfähigkeit.

Im Programm des Landeskongresses seien alle Themen inklusive Aspekte des Tagesgeschäfts aufgegriffen. Schließlich dankte Lemle den ehrenamtlich engagierten Regionalkreisleitern in NRW, Carsten Ahrens, Thomas Altmann, Siegfried Boos, Thomas Busche, Markus Hagemeier und Hans-Joachim Scharrmann. Weiterhin, so der Landesbeauftragte, suche der iGZ noch Interessierte, die sich im Verband engagieren möchten.

Mögliche Folgen

Christian Baumann, Bundesvorsitzender des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), reagierte in seiner Ansprache auf die Bundestagswahl und mögliche Folgen für die Zeitarbeit. Baumann verwies darauf, dass es in den Koalitionsverhandlungen keine aktuellen Forderungen der beteiligten Parteien gegeben habe. Er erinnerte an die geplante Evaluierung der

Das deutsche ( ) vom 7. August 1972 regelt die gewerbsmäßige Überlassung von Arbeitnehmern. Es diente ursprünglich ausschließlich dem sozialen Schutz der Zeitarbeitnehmer und sollte diese insbesondere vor Ausbeutung bewahren. Das AÜG stellt die gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung unter einen so genannten Erlaubnisvorbehalt, d. h. der Verleiher bedarf der behördlichen Erlaubnis. Dies gilt auch für Verleiher mit Sitz im Ausland. Die Erlaubnis erteilt die .

-Reform in drei Jahren. Es sei zu erwarten gewesen, dass die Branche in den nächsten drei bis vier Jahren in Ruhe arbeiten könne.

Unsicherheit

Das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen habe nun eine neue Situation geschaffen. Baumann skizzierte kurz, welche Optionen es nun gebe. Die Zeitarbeit gehe voraussichtlich wieder in eine unsichere Phase – in den Jamaika-Sondierungsgesprächen seien beispielsweise sachgrundlose Befristungen ebenso ein Thema gewesen wie

Ein ist ein in der Höhe festgelegtes, kleinstes rechtlich zulässiges Arbeitsentgelt. Die Festsetzung erfolgt durch eine gesetzliche Regelung, durch eine Festschreibung in einem allgemeinverbindlichen oder implizit durch das Verbot von Lohnwucher. Eine Mindestlohnregelung kann sich auf den Stundensatz oder den Monatslohn bei Vollzeitbeschäftigung beziehen. Neben nationalen Mindestlöhnen gibt es auch regionale Varianten, die sich z. B. auf Bundesstaaten oder Städte beziehen. Eine weitere Erscheinungsform sind branchenspezifische Mindestlöhne.

und Digitalisierung. Unsicherheit produziere gegebenenfalls Instabilität, das sei nicht gut für die Wirtschaft und insbesondere für die Zeitarbeit. Anschließend zeichnete er auf Basis der neuesten Lünendonk-Studie die derzeitigen Rahmenbedingungen für die Zeitarbeit nach und richtete den Blick auf künftige Entwicklungen.

Chance oder Risiko

„Die Zeit des Fließbandes ist vorbei“, verkündete Prof. Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident a.D., Bundesminister a.D., Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, im Rahmen seines Gastvortrags „Digitalisierung – Chance oder Risiko für den Standort NRW?“ (gesonderter Artikel).

Prävention und Zielgruppen

Anschließend ging´s in die Fachforen: Carsten Zölck, Präventionsfeldkoordinator Zeitarbeit bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, und Rüdiger Hitzemann, Projektleiter Gesundheitsmanagement in der Zeitarbeit bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, referierten über das Thema „

Die ist eine gesetzliche Unfallversicherung mit knapp 30 Mio. Versicherungsverhältnissen in der Bundesrepublik. Versicherte der VBG sind Arbeitnehmer, freiwillig versicherte Unternehmer, Patienten in stationärer Behandlung und Rehabilitanden, Lernende in berufsbildenden Einrichtungen und bürgerschaftlich Engagierte. Zu den knapp 590.000 Mitgliedsunternehmen zählen Dienstleistungsunternehmen aus über 100 Gewerbezweigen, wie z. B. Banken und Versicherungen, Zeitarbeitsunternehmen, Unternehmen der IT-Branche sowie Sportvereine.

: Prävention im Unternehmen – Sichere und gesunde Arbeitswelt in der Zeitarbeit“. Marcel Speker, iGZ-Leiter Kommunikation und Arbeitsmarktpolitik, referierte über „Potenziale auf dem Arbeitsmarkt nutzen – Besondere Zielgruppen gezielt in den Blick nehmen“. Im Fachforum 3 wurde die „Unternehmensnachfolge, Verkauf, Nachfolgeregelung“ von Michael Keller, Keller & Coll., beleuchtet.

Expertengespräch

Ganz im Zeichen der Zukunft stand der Fachvortrag „Digitalisierung und Industrie 4.0: Chancen und Herausforderungen“, den Dr. Marc-André Weber, Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), nach der Mittagspause hielt. Ergänzend dazu schloss sich ein Expertengespräch zu den Auswirkungen der Digitalisierung an: Dr. Marc-André Weber, ifaa, und Volker Homburg, ZIP Zeitarbeit + Personalentwicklung GmbH, diskutierten, moderiert von Marcel Speker, über Ein- und Ausblicke künftiger Entwicklungen in der nationalen wie auch globalen Wirtschaft und deren Folgen für die Zeitarbeitsbranche (gesonderter Artikel).

Datenschutz und Lobbyarbeit

Weiter ging´s mit dem zweiten Fachforenblock: „Die EU-DSGVO kommt: Warum die Datenschutzverordnung jeden trifft und wie Sie sich darauf vorbereiten können“ erläuterte Olaf Dreßen, iGZ-Referent für Arbeits- und Tarifrecht, seinen Zuhörern. „Lobbyarbeit in den Wahlkreisen – Kontakte knüpfen für die Zeitarbeit“, thematisierten parallel dazu Andrea Resigkeit, Leiterin des iGZ-Hauptstadtbüros, und Dr. Benjamin Teutmeyer, iGZ-Referent Public Affairs. Jan Hawliczek, BFFT Gesellschaft für Fahrzeugtechnik mbH, schließlich beschäftigte sich mit der Digitalisierung und Zielgruppenorientierung sowie Trends im

Die Personalbeschaffung - - ist Teil der Personalwirtschaft und befasst sich mit der Deckung eines zuvor definierten Personalbedarfs. Bevor Personal beschafft wird, wird der Personalbedarf in der gewünschten Anzahl, zur gewünschten Zeit am gewünschten Ort und mit den erforderlichen Qualifikationen ermittelt.

.

Auswirkungen der AÜG-Reform

Sie ist mittlerweile allgegenwärtig in der Zeitarbeit, doch die Auswirkungen der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) greifen erst im nächsten Jahr: „Tarifliche Antworten auf die AÜG-Reform – TV BZ und TV LeiZ“ lieferte Dr. Martin Dreyer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des iGZ, in seinem Vortrag – im Fokus standen dabei vor allem die praktischen Auswirkungen der Reform. Ergänzend dazu beantwortete im Anschluss Stefan Sudmann, Leiter iGZ-Abteilung Arbeits- und Tarifrecht, die Fragen der Zuschauer, die vorab eingereicht werden konnten. Ralf Lemle beendete den letzten iGZ-Landeskongress im Jahr 2017. (WLI)

Neueste Artikel