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iGZ-Umfrage zu Auswirkungen der Pandemie
26.01.2021

Zeitarbeit in der Corona-Zange

Die Zeitarbeit ist hart von der Coronakrise getroffen worden. Knapp 25 Prozent der Befragten gab an, dass die Auswirkungen der Pandemie das Bestehen ihres Unternehmens bedroht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) bei seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat. Die Personaldienstleister werden in die Corona-Zange genommen:

Corona wirkte sich intensiv auch auf die Zeitarbeitsbranche aus: 72,6 Prozent der befragten und teilnehmenden Unternehmen meldeten einen Auftragsrückgang.
Corona wirkte sich intensiv auch auf die Zeitarbeitsbranche aus: 72,6 Prozent der befragten und teilnehmenden Unternehmen meldeten einen Auftragsrückgang.

Auf der einen Seite meldeten 83,9 Prozent der Unternehmen die vorzeitige Beendigung von Einsätzen ihrer Mitarbeiter. Auf der anderen Seite registrierten 72,6 Prozent der Unternehmen einen Auftragsrückgang. Vertrieb gewann daher deutlich an Bedeutung: Immerhin 67,1 Prozent der Unternehmen konnten neue Aufträge in den Bereichen Produktion (58,5 Prozent), Logistik (47,5 Prozent) und Dienstleistungen (35,1 Prozent) akquirieren. 20 Prozent der Unternehmen berichten über neue Einsätze im Gesundheitsbereich. Nur knapp 50 Prozent der Zeitarbeitsunternehmen musste mit Kündigungen auf die Auftragssituation reagieren.

Hilfsangebote

Die staatlichen Hilfsangebote wurden unterschiedlich intensiv in Anspruch genommen: 72,8 Prozent der Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet. Bei den weiteren Unterstützungsmaßnahmen wurden die Leistungen nach dem Infektionsschutzgesetz (39,3 Prozent der Unternehmen), Stundung der Beiträge zur Berufsgenossenschaft (36,6 Prozent) und Stundung von Steuerzahlungen (34 Prozent) am meisten genutzt. 44,4 Prozent der Unternehmen haben die Krise für Weiterbildungsmaßnahmen genutzt. Der Vergleich mit der ersten Corona-Umfrage aus April 2020, zeigt, dass die Ergebnisse nahezu ähnlich dramatisch eingetreten sind, wie sie damals befürchtet worden sind.

Auftragslage

80,1 Prozent der befragten Zeitarbeitsunternehmen beklagen in der Coronakrise Auftragsrückgänge. Der Index beträgt 34,8 (0 = keine Aufträge mehr; 100 = Auftragsanstieg). Bei der Umfrage im April 2020 war noch ein tieferer Einschnitt erwartet worden. Damals erwarteten 93,5 Prozent der Unternehmen einen Auftragsrückgang. Der Index lag damals bei 21,7.

Abmeldung von Mitarbeitern

Zu den Auftragsrückgängen auf breiter Front wurden zudem auch gebuchte Mitarbeiter von den Einsatzbetrieben zurückgegeben (sog. „Abmeldung“). Hiervon waren 83,9 Prozent der Unternehmen betroffen. Dabei standen „Kündigungen“ erst auf Platz 5 der ergriffenen Maßnahmen: Nur jedes zweite Unternehmen musste zu dieser drastischen Maßnahme greifen. Stattdessen war die Kurzarbeit bei 74,9 Prozent der Unternehmen das Mittel der Wahl. Außerdem: Abbau des Arbeitszeitkontos (68,3 Prozent) und Vermittlung in einen neuen Einsatz (64,2 Prozent).

Kurzarbeit

72,8 Prozent aller Zeitarbeitsunternehmen haben in der gesamten Coronakrise Kurzarbeit angemeldet. Das sind etwas weniger als die 88,4 Prozent der Unternehmen, die im April 2020 davon ausgegangen sind, Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen.

Entlastungsinstrumente

Einer ungeahnten Beliebtheit haben sich die Leistungen nach dem Infektionsschutzgesetz erfreut. Während im April 2020 noch mit 26,2 Prozent ein Höchstwert der Unternehmen angaben, diese Leistungen gar nicht zu kennen entwickelten sie sich nach der Kurzarbeit zum „Renner“: 39,3 Prozent der Unternehmen haben sie bereits in Anspruch genommen und weitere 9,7 Prozent haben es noch vor. Auf Platz 2 folgt die Stundung der VBG-Beiträge (36,6 Prozent) und die Stundung von Steuerzahlungen (33,9 Prozent).

Weiterbildung

38 Prozent der Unternehmen haben die Coronakrise zur Weiterbildung des internen Personals genutzt. 16,1 Prozent haben auch die externen Mitarbeiter fortgebildet. 55,6 Prozent der Unternehmen haben auf eine Weiterbildung aus den unterschiedlichsten Gründen verzichtet. Die Möglichkeiten von Zuschüssen nach dem Qualifizierungschancengesetz haben dabei eine zu vernachlässigende Rolle gespielt: gerade einmal 2,7 Prozent der Unternehmen haben die Förderung in Anspruch genommen, 52,3 Prozent der Unternehmen gaben an, diese Möglichkeit gar nicht zu kennen.

Auswirkungen insgesamt

Die Coronakrise stellte sich für 22,4 Prozent der Zeitarbeitsunternehmen als existenzgefährdend heraus. Das ist knapp ein Viertel der gesamten Branche. Diese Zahl ist alarmierend, auch wenn die Befürchtungen im April 2020 noch schlimmere waren: Damals gingen 34,6 Prozent davon aus, dass das Virus sie ihre Existenz kosten würde. Auf einer Skala von 0 (= existenzgefährdend) bis 100 (= umsatzerweiternd) ergab sich mit Blick auf die gesamte Krise ein Indexwert von 30,5. Auch dieser lag bei der Ersteinschätzung im Frühjahr des vergangenen Jahres noch schlechter bei 21,3. (MS)

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