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IW Köln: Weniger Ausbildungsstellen
05.08.2020

Mit staatlicher Prämie die PDK-Ausbildung sichern

Die Folgen der Corona-Pandemie hinterlassen auf dem deutschen Ausbildungsmarkt deutliche Spuren: Erstmals seit 2013 ist die Zahl der Ausbildungsstellen zurückgegangen, besonders in der Gastronomie und in einigen technischen Berufen. Gleichzeitig gibt es aber auch deutlich weniger Bewerber. Unternehmen dürften also große Schwierigkeiten haben, ihre freien Stellen zu besetzen.

Im Juni suchten rund 417.000 Bewerber eine Ausbildung, was einem Rückgang von etwa 43.000 (neun Prozent) im Vergleich zum Vorjahr entsprechicht. Grafik: IW Köln
Im Juni suchten rund 417.000 Bewerber eine Ausbildung, was einem Rückgang von etwa 43.000 (neun Prozent) im Vergleich zum Vorjahr entsprechicht. Grafik: IW Köln

Bereits vor der Corona-Pandemie hatten Bäckereien, Logistikunternehmen oder Autowerkstätten Probleme, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Auch in der Zeitarbeitsbranche zeichnete sich ein leichter Rückgang ab: 2018 absolvierten 2.119 Auszubildende die Lehre zu Personaldienstleistungskaufleuten (PDK) – 2019 waren es noch 1.989 PDK-Azubis. Allerdings zeigte sich die Zahl der Neuaufnahmen mit 856 Ausbildungsanfängern 2019 noch recht stabil. Aktuelle Zahlen zur Auswirkung der Coronakrise liegen derzeit allerdings noch nicht vor.

Schwierige Lage

In diesem Jahr ist die Lage laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) noch schwieriger. Das zeigen aktuelle Berechnungen, die das IW gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) auf Basis von Arbeitsmarktdaten erstellt hat: Im Juni suchten rund 417.000 Bewerber eine Ausbildung, was einem Rückgang von etwa 43.000 (neun Prozent) im Vergleich zum Vorjahr entspreche. Die Unternehmen meldeten laut IW-Pressemitteilung rund 482.000 freie Stellen, knapp 47.000 weniger als 2019. Folglich dürften viele Stellen unbesetzt bleiben.

Suche nach Alternativen

Ähnlich wie in früheren Krisenjahren schauen sich Jugendliche, so das IW, vermehrt nach Alternativen zur klassischen Ausbildung um. Das Studium gelte mitunter als krisensicher, der kleine Ausbildungsbetrieb um die Ecke eher nicht. Die Sorge sei bezogen auf den einzelnen Betrieb nicht unbegründet: Besonders in der Gastronomie ist die Zahl der Ausbildungsstellen laut IW geschrumpft. Allein im Juni 2020 meldeten die Gastronomen 16 Prozent weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr.

Krisensichere Betriebe

Ähnlich stark seien die Auswirkungen im Maschinenbau und bei Logistikunternehmen. Recht krisensicher erweisen sich dagegen Betriebe in der Ver- und Entsorgung sowie im Tiefbau; diese Unternehmen bilden sogar mehr aus als in früheren Jahren. Generell gelte: Nach einer Ausbildung seien die Arbeitsmarktchancen für beruflich Qualifizierte sehr gut – sie seien sogar seltener arbeitslos als Akademiker.

Finanzielle Unterstützung

Die schwierige Marktlage führe dazu, dass Unternehmen und Auszubildende Hilfe von der Politik benötigen. Hier greife das neue Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern": Kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe erhalten demnach eine Prämie in Höhe von 2.000 bis 3.000 Euro, wenn sie ihr Ausbildungsniveau halten oder gar erhöhen, Kurzarbeit vermeiden oder Auszubildende von insolventen Betrieben übernehmen.

Fachkräftemangel

"Ob diese Ausbildungsprämie wirklich viele zusätzliche Ausbildungsplätze schafft und nicht nur Mitnahmeeffekte erzielt, muss sich aber erst noch zeigen", sagt IW-Ausbildungsexperte Dirk Werner. Sinnvoll wäre es, die Prämie stärker auf Berufe mit Fachkräftemangel zu fokussieren und die Übernahme von Insolvenz-Azubis stärker zu fördern. Außerdem brauchen viele Unternehmen Unterstützung bei der Vermittlung, die dieses Jahr durch die Corona-Pandemie stark verzögert abläuft. (WLI)

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