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Pressegespräch zu Verbot der Zeitarbeit in der Pflegebranche
16.12.2019

Gesundheitssenatorin will Engpässe in der Versorgung in Kauf nehmen

Am 16. Dezember lud die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci zum Pressegespräch ein, um das Maßnahmenpaket zur Eindämmung von Zeitarbeit vorzustellen. Der umfängliche Plan der SPD-Politikerin zielt darauf ab, die Qualität in der Pflege zu verbessern, lässt jedoch Raum für Zweifel an einer praxisnahen Umsetzung.

Bisher lehnte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (r.) alle Gesprächsangebote der Zeitarbeitsverbände ab. iGZ-Hauptstadtbüroleiterin Andrea Resigkeit (l.) zur Senatorin: „Wenn Sie mit uns eine Lösung gesucht hätten, wäre die Situation gar nicht so entstanden.“
Bisher lehnte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (r.) alle Gesprächsangebote der Zeitarbeitsverbände ab. iGZ-Hauptstadtbüroleiterin Andrea Resigkeit (l.) zur Senatorin: „Wenn Sie mit uns eine Lösung gesucht hätten, wäre die Situation gar nicht so entstanden.“

Die Gesundheitssenatorin stellte ihre Ideen gemeinsam mit Marc Schneider, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG), Dr. Oliver Zobel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, Judith Heepe, Pflegedirektorin der Charité und Thomas Meißner vom Anbieterverband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen vor. Alle Experten sehen die Notwendigkeit Zeitarbeit in der Pflege zu reduzieren.

Engpässe werden in Kauf genommen

Senatorin Kalayci sieht eine Übergangsfrist zum Abbau von Zeitarbeit vor. Sie erklärte, sie sei bereit für ihr Ziel Engpässe in der Versorgung in Kauf zu nehmen. Wie lange eine sinnvolle Übergangsphase gehen sollte, auf welche Weise Arbeitskräfte, die Interesse am Pflegeberuf haben, gewonnen werden sollen oder wie die Arbeitsbedingungen tatsächlich attraktiver gestaltet werden können, ist bisher noch nicht klar.

Fachkräftemangel

Schneider erklärte, dass in Berlin je nach Klinik und Schicht Zeitarbeiter bis zu 30 Prozent der Last stemmen, insgesamt sei der Landesdurchschnitt mit einem Anteil sieben Prozent von Zeitarbeitskräften in der Pflege nahezu viermal so hoch wie im Rest der Bundesrepublik. Die Hauptstadt kämpft mit dem Fachkräftemangel in der Branche und möchte mit einer Bundesratsinitiative die Arbeitnehmerüberlassung im Pflege- und Krankenhausbereich unterbinden.

Versorgungsqualität

Als Hauptproblem sehen die Experten um Gesundheitssenatorin Kalayci die Abnahme der Versorgungsqualität – dadurch, dass Zeitarbeiter Nacht- und Wochenendschichten nicht übernehmen, sei eine größere Belastung vom Stammpersonal zu stemmen. Durch unregelmäßige Einsätze in Stationen würde auch der Teamzusammenhalt geschwächt. Daher wolle man Fachkräfte ausbilden und für die feste Beschäftigung begeistern, anstatt künftig auf Zeitarbeit zu setzen.

iGZ nicht eingeladen

Kalayci setzt auf die Eigenverantwortlichkeit der Betriebe, dass sie mehr Flexibilität – einem der Hauptgründe für Pflegepersonal in die Zeitarbeit zu gehen – anbieten, um den personellen Notstand zu bekämpfen. Ob dafür Anreize gesetzt werden sollen, scheint ebenfalls nicht klar zu sein. Bei der Entwicklung der Maßnahmen, waren nicht alle Parteien am Tisch – der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen wurde nicht zum Gespräch eingeladen, um aus Arbeitgeberperspektive an Maßnahmen daran mitzuwirken, wie die Qualität der Pflege tatsächlich erhöht werden könnte.

Keine Antworten

Wann die Bundesratsinitiative eingereicht wird und welche Perspektive sich für Beschäftigte in der Pflege eröffnet, die unter Zeitarbeitsfirmen angestellt sind, konnte beim Pressegespräch nicht abschließend beantwortet werden. Die Gefahr besteht, dass bei der scharfen Arbeitsmarktsituation kostbare Arbeitskräfte verloren gehen – weil sie in der Zeitarbeit verlässliche Schichtpläne und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf fanden und diese Erwerbsform für ihre Branche nicht mehr zulässig sein wird. Ein Risiko, das man im Berliner Senat tragen will. (Alice Greschkow)

Der iGZ hat mit einer Pressemitteilung auf das Pressegespräch reagiert, die unter "Zeitarbeit hält Personal in der Pflege" steht.

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