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Pflegekräfte in der Zeitarbeit
21.06.2021

Gestern beklatscht, heute alleingelassen

Wer über die Zeitarbeit in der Pflege arbeitet, der hat sich ganz bewusst dazu entschieden, immer wieder die Einrichtung, die Station, den Fachbereich oder auch die Stadt zu wechseln. Während der Coronapandemie ist es allerdings ganz oft so, dass wir wöchentlich oder auch tageweise immer wieder auf anderen Stationen eingesetzt werden. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass ganze Stationen geschlossen werden; oft wegen abgesagter Operationen oder krankheitsbedingten Personalausfällen.

Beifall allein reicht den Pflegekräften nicht, ihre schwierigen Aufgabe in der Pandemie zu erfüllen.
Beifall allein reicht den Pflegekräften nicht, ihre schwierigen Aufgabe in der Pandemie zu erfüllen.

Ist dies ein Problem für uns? Ja, weil es – auch wenn wir viele Fachbereiche, Stationen und Häuser kennen – immer wieder ein neuer Anfang ist, mit neuen Kollegen, neuen Abläufen, neuen Fachrichtungen. Das Stammpersonal kennt diese Problematik nicht, weil es auf den Stationen bleibt, sofern diese nicht geschlossen werden. Auch wenn wir es gewohnt sind, immer wieder in regelmäßigen Abständen Stationen zu wechseln, sind wir doch froh, wenn wir auf einer Station arbeiten dürfen, auf der wir uns dazugehörig fühlen. Mit Sicherheit ist es nicht immer einfach für die Personalberater, uns in den Kliniken in so einer für uns allen schwierigen Zeit, in der Stationen und gar ganze Kliniken geschlossen werden müssen, passgenau unterzubringen.

Besonders flexibel

Deswegen nehmen wir auch oft hin, dass wir sehr flexibel sein müssen, oft flexibler als vor der Pandemie und Einsatzwünsche nicht immer erfüllt werden können. Das liegt allerdings in erster Linie an den Kliniken, in denen wir arbeiten, und nicht an den Zeitarbeitsfirmen; wir sind halt das gebuchte Personal, von dem diese Flexibilität erwartet wird. Dies ändert aber nichts daran, dass wir als Zeitarbeitskräfte als Menschen und für unsere Arbeit genauso wertgeschätzt werden sollten wie das Stammpersonal. Wir machen gute und wichtige Arbeit.

Emotionale Belastung

Ein anderes Problem ist mit Sicherheit die Versorgung der Patienten ohne Angehörige. Jeder von uns kennt das: Es geht einem körperlich und/oder geistig schlecht und wir alle haben in diesen Momenten am liebsten unsere Familien und/oder Freunde um uns. Jetzt ist es so, dass nur in seltenen Ausnahmen Familienangehörige zu Besuch in die Klinik kommen dürfen. Es ist mit Sicherheit nicht das Problem, dass wir Gespräche führen müssen, die sehr emotional sind und die jeder Patient mit Sicherheit lieber mit einem Familienangehörigen führen würde. Solche Gespräche begleiten auch uns als ausgebildetes Fachpersonal teilweise lange, sehr oft fehlt einfach aufgrund des ewigen Fachpersonalmangels die Zeit dazu, mit den Patienten ausführlich zu sprechen. Während der Coronapandemie ist dieses Problem noch größer geworden als es ohnehin schon war.

Betrieb geht weiter

Umso wichtiger finde ich es, dass man ein Team um sich hat, in dem man sich willkommen und wertgeschätzt fühlt, denn auch wir müssen über solche Gespräche mit jemanden reden, der einen versteht. Dies ist kein Artikel darüber, wie schlimm denn alles ist und dass das Pflegefachpersonal zusammenbricht und weinend auf dem Flur sitzt; in der ganzen Pandemiezeit habe ich sowas in keiner Klinik erlebt. Darüber hinaus scheinen alle zu vergessen, dass es noch andere ebenso schlimme Krankheiten und Schicksalsschläge gibt. Menschen sterben nicht nur an oder mit Corona.

Foto Marina Neuss.jpg

Über Marina Neuß

Marina Neuss ist seit Mitte 2020 bei pluss Personalmanagement Care People in Düsseldorf angestellt. Die 40-Jährige ist examinierte Krankenschwester und arbeitet in Düsseldorf als Pflegekraft in der stationären Krankenpflege.

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