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IAB untersuchte Intention bei Befristung von Arbeitsverträgen
14.06.2019

Befristung als Eignungstest für Mitarbeiter

Rund 90 Prozent der Zeitarbeitnehmer haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche und sind in Vollzeit tätig. Zahlen, die sich auch in der Gesamtwirtschaft widerspiegeln. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nahm jetzt befristete Arbeitsverträge unter die Studienlupe:  

Befristete Arbeitsverträge spielen, so das IAB in einer Pressemitteilung, nach wie vor eine relevante Rolle auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Mit etwa 3,2 Millionen oder 8,3 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse erreichten sie im Jahr 2018 einen neuen Rekordwert seit Beginn der bundesweiten Betriebserhebung 1996. Wie in den vergangenen Jahren erfolgten laut Institut mehr als zwei von fünf Einstellungen (44,1 Prozent) zunächst auf der Basis befristeter Verträge.

Robuste Verfassung

Die anhaltend hohe Zahl der befristet Beschäftigten sei ein Anzeichen für die robuste Verfassung des deutschen Arbeitsmarktes. Befristete Arbeitsverträge würden häufig als verlängerte Probezeit genutzt und führten nicht selten in unbefristete Beschäftigung. Sollte sich die Konjunktur verschlechtern, könnten die befristet Beschäftigten allerdings die ersten Leidtragenden sein.

Einstellungen erleichtert

Befristungen erleichtern, so das IAB, Einstellungen, wenn der Bedarf an Arbeitskräften im Betrieb zeitlich begrenzt oder die Dauer dieses Bedarfs aus wirtschaftlichen Gründen unsicher sei. Befristungen werden zudem oft als verlängerte Probezeit genutzt, wenn die Eignung neu eingestellter Arbeitskräfte noch unklar sei. Das erleichtere den Betroffenen den Zugang zum Arbeitsmarkt, erhöhe jedoch ihr Risiko, nach Ablauf der Vertragsdauer erneut arbeitslos zu werden. Diese Unsicherheit könne die Familienplanung erschweren, sich negativ auf die Gesundheit auswirken und der Kreditwürdigkeit der meist jungen Betroffenen schaden, wenn sie sich beispielsweise Wohneigentum anschaffen wollen.

Hohe Übernahmequote

Angesichts des weiterhin robusten Arbeitsmarktes scheine die positive Seite von Befristungen, der Zugang in den Arbeitsmarkt, tendenziell zu überwiegen. Zum einen habe die Übernahmequote im Jahr 2018 mit 44,2 Prozent den höchsten Stand seit der ersten Messung 2009 erreicht Zum anderen zeigen sich laut IAB-Experten die verbesserten Übernahmechancen auch bei einem Blick auf die Art der Personalabgänge. Während 2018 lediglich 11,1 Prozent aller Personalabgänge auf das Auslaufen befristeter Verträge zurückzuführen waren, haben Arbeitnehmerkündigungen mit 43,4 Prozent ebenfalls den höchsten Wert seit 1996 erreicht. In vielen Betrieben stelle sich zuletzt somit weniger die Frage, wie Personal im Zweifelsfall freigesetzt, sondern wie es rekrutiert und gehalten werden könne.

Motive für Befristung

An den Motiven der Betriebe, Arbeitsverträge zu befristen, zeige sich, warum Befristungen dennoch weiterhin eine wichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen. Die befragten Arbeitgeber nannten als wichtigstes Motiv die Überprüfung der Eignung von Arbeitskräften (36,7 Prozent), gefolgt von Vertretungen (18,1 Prozent), zeitlich begrenztem, zum Beispiel saisonalem Mehrbedarf (13,1 Prozent), wirtschaftlicher Unsicherheit (11,9 Prozent) und einer begrenzten Stellenfinanzierung (9,1Prozent). (WLI)

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