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Engagierte Podiumsdiskussion zum Projektabschluss "Brücke in den Arbeitsmarkt"
24.10.2014

"18 Monate sind auf dem Basar entstanden"

Mit der Anmerkung des stellvertretenden iGZ-Bundesvorsitzenden Sven Kramer, „wenn die Politik die Höchstüberlassungsdauer auf 18 Monate beschränkt, kann ich meine Mitarbeiter nicht mehr weiterbilden, weil sich die Kosten für die Qualifizierungsmaßnahmen dann nicht amortisieren lassen“, sorgte er bei NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) offenbar für eine echte Überraschung.

Der Minister lenkte ein, signalisierte Gesprächsbereitschaft, bestand aber darauf Grenzen zu setzen: „Aufgrund unserer Erfahrungen mit der Zeitarbeitsbranche wollen wir sie nun neu regulieren“, betonte Schneider im Rahmen einer Podiumsdiskussion.

Diskussionsrunde

Anlässlich der Abschlussveranstaltung zum Projekt „Zeitarbeit – eine Brücke in den Arbeitsmarkt“ diskutierten in Dortmund neben Guntram Schneider und Sven Kramer auch Detlef Janke-Erler, Bereichsleiter Markt und Integration im Jobcenter Dortmund, Michael Hermund, Abteilungsleiter Arbeitsmarktpolitik beim

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ( ) ist die größte Dachorganisation von Einzelgewerkschaften. Ihm gehören acht Mitgliedsgewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland an. Diese decken alle Branchen und Wirtschaftsbereiche ab. Es gibt jedoch auch Gewerkschaften, die nicht zum DGB gehören. Der DGB versteht sich als Stimme der Gewerkschaften und Arbeitnehmer gegenüber politischen Entscheidungsträgern und Verbänden in Bund, Ländern und Gemeinden und koordiniert die gewerkschaftlichen Aktivitäten. Er ist von Anfang an dem Prinzip der Einheitsgewerkschaft verpflichtet. Der DGB wurde am 12. Oktober 1949 in München gegründet.

Bezirk NRW, und Wilhelm Oberste-Beulmann, BAP-Vizepräsident, zum Thema „Der Klebeeffekt – nur eine Sache von Zeitarbeitskräften, Zeitarbeits- und Kundenunternehmen?“ vor rund 250 Zuhörern. Die Soziale Innovation (SI) GmbH hatte das unter anderem vom iGZ mitfinanzierte Projekt realisiert. Vorab präsentierte SI-Geschäftsführerin Dr. Cordula Sczesny die Ergebnisse.

Langfristiger Bedarf

Schwerpunkte der Debatte waren die Weiterbildung von Zeitarbeitnehmern und der Koalitionsvertrag. Sven Kramer unterstrich: „Die anvisierte Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten ist auf dem Basar entstanden“. Zeitarbeitnehmer, so der stellvertretende iGZ-Bundesvorsitzende, werden dann von Kundenunternehmen übernommen, wenn langfristiger Bedarf herrsche – die 18 Monate würden dabei nicht interessieren. Laut Ergebnis des Projekts werden rund ein Drittel der Zeitarbeitskräfte erst nach 18 oder mehr Monaten im Kundeneinsatz ins Stammpersonal der Kundenfirmen übernommen.

Neu regulieren

Guntram Schneider betonte in diesem Zusammenhang mehrmals, die Politik wolle die Zeitarbeit weder abschaffen noch abwehren: „Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre sehen wir einen Regelungsbedarf. Gleichwertige Arbeit muss auch gleich bezahlt werden.“ In diesem Zusammenhang bezeichnete Schneider den derzeitigen

Ein ist ein in der Höhe festgelegtes, kleinstes rechtlich zulässiges Arbeitsentgelt. Die Festsetzung erfolgt durch eine gesetzliche Regelung, durch eine Festschreibung in einem allgemeinverbindlichen oder implizit durch das Verbot von Lohnwucher. Eine Mindestlohnregelung kann sich auf den Stundensatz oder den Monatslohn bei Vollzeitbeschäftigung beziehen. Neben nationalen Mindestlöhnen gibt es auch regionale Varianten, die sich z. B. auf Bundesstaaten oder Städte beziehen. Eine weitere Erscheinungsform sind branchenspezifische Mindestlöhne.

in Höhe von 8,50 Euro als „

Die nach dem ehemaligen VW-Vorstand Peter benannten Reformgesetze der rot-grünen Bundesregierung haben den Boden für die positive Entwicklung der Zeitarbeit bereitet. Die gesetzlichen Lockerungen für die Zeitarbeit (Hartz I) und die in diesem Zusammenhang umgesetzte Tarifierung der Branche waren Voraussetzung für die aktuelle Entwicklung der Branche.

IV deluxe“. Er schätze, dass ein Gesetzentwurf dazu im nächsten Jahr auf dem Tisch liege.

14 Tarifverträge

Kramer verwies den Arbeitsminister darauf, dass die Branche in den vergangenen zwei Jahren mit den Sozialpartnern 14 Tarifverträge zur Angleichung der Löhne abgeschlossen habe und eine weitere Regulierung völlig überflüssig sei: „Ich freue mich über die geplante

Für Zeitarbeitnehmer in Deutschland gilt grundsätzlich equal payment. Hiervon kann nur abgewichen werden, wenn ein eigens für die Zeitarbeit abgeschlossener Tarifvertrag zur Anwendung kommt. Diese Möglichkeit nennt sich .

für die Regelung der Höchstüberlassungsdauer, das wünsche ich mir auch für

Unter equal payment versteht die Branche den Ansatz der gleichwertigen Bezahlung eines Zeitarbeitnehmers, in einer Höhe, wie auch der vergleichbar eingesetzte im entlohnt wird. Das Problem hierbei ist, dass eine wertgleiche Entlohnung oft nur schwer zu erreichen ist, wenn etwa unterschiedliche Urlaubsansprüche, Gewinnbeteiligungen oder andere geldwerte Gehaltsbestandteile mit einzubeziehen sind. Im Grundsatz sieht das eine absolute Gleichbehandlung von Zeitarbeitnehmern nach equal payment und vor, die nur durch Anwendung eines Tarifvertrages für die Zeitarbeit abgewandt werden kann.

“, regte er an.

Gleichbehandlung

Zur Qualifizierungsthematik äußerte Detlef Janke-Erler, Zeitarbeitsunternehmen wie auch Zeitarbeitskräfte seien für die Jobcenter „ganz normale Akteure am Arbeitsmarkt, Unterschiede werden nicht gemacht“. Allerdings werde darauf geachtet, dass die Unternehmen sich fair am Markt verhalten. Qualifizierungsanfragen gebe es nur vereinzelt, dann werde aber auch unterstützt.

Bessere Arbeitsqualität

Wilhelm Oberste-Beulmann erwähnte die seit 2008 angebotene

In dieser Berufsbezeichnung werden die Berufsbilder eines Vertriebsmitarbeiters und eines Personalreferenten mit Führungs- und Leitungsaufgaben zusammengefasst. Um eine einheitliche Qualifizierung sicherzustellen, wurde von der IHK ein Zertifikatslehrgang " für Zeitarbeit" angeboten. Seit 2008 wird durch die IHK-Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann/-kauffrau gezielt für diesen Beruf ausgebildet.

-Ausbildung – damit habe sich die Arbeitsqualität verbessert, und nun müsse nicht mehr in Quereinsteiger finanziert werden. „Ohne eine vernünftige Weiterbildung können wir unsere Mitarbeiter nicht langfristig einsetzen“, erläuterte er die Folgen von Nicht-Investition in Qualifizierung.

Nachweis

Sven Kramer listete die zahlreichen Schulungsmaßnahmen auf, die der iGZ und seine Mitgliedsunternehmen anbieten. Denkbar sei die Einführung eines Nachweises, wie viel Zeitarbeitsunternehmen in solche Maßnahmen investieren.

Offen für Diskussionen

„Ich bin positiv überrascht von den Weiterbildungsaktivitäten in der Zeitarbeitsbranche“, reagierte Minister Schneider darauf. NRW sei froh über jedes Unternehmen, das sich in der Weiterbildung engagiere. „Zeitarbeit muss ein Instrument sein, den Arbeitsmarkt weiter zu entwickeln und zu flexibilisieren“, zog Schneider ein Fazit. „Wir sind offen für alle Diskussionen, die zu mehr Qualifizierung führen“, ermunterte der NRW-Arbeitsminister zu mehr Mitsprache. (WLI)

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