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Ein Bekenntnis für EUROPA

Die Europawahl am 26. Mai 2019 ist für uns alle ein wichtiges Datum. Es geht nicht mehr und nicht weniger um die Frage, ob die europafreundlichen Parteien im neuen Europaparlament noch eine Gestaltungsmehrheit haben. Gerade wir Deutschen müssen das allerhöchste Interesse daran haben, dass die Europäische Union auch im 21. Jahrhundert zusammensteht. Bei all den Unterschieden und Uneinigkeiten ist das Vertrauen vieler Bürger in die Europäische Union groß: Politische Instabilität in vielen Mitgliedsländern und wachsendes Vertrauen in Europa sind die beiden Seiten der gleichen Medaille.

Gerade die vielen Krisen – wie zuletzt das Brexit-Chaos – haben uns vor Augen geführt, was wir an der EU haben. Zehntausende von Unternehmen und Millionen von Beschäftigten profitieren allein in Deutschland von Europa. 2018 hatten die deutschen Exporte in die anderen 27 EU-Staaten ein Volumen von 780 Milliarden Euro. 60 Prozent aller deutschen Ausfuhren gingen in die EU. Stabilität in Europa ist für uns also nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch von größter Bedeutung.

Wenn Europa zerbricht, wird es keine Gewinner, aber viele Verlierer geben. Dabei haben wir dem Vereinten Europa so viel zu verdanken. 70 Jahre Frieden, Freiheit, Wohlstand. Ist denn das schon so selbstverständlich geworden, dass es scheinbar in Vergessenheit geraten ist?

Na klar: Auch die Wirtschaft hat so manchen Kritikpunkt, wenn es um Europa geht. So manche Regelung erscheint uns unverständlich, so mancher Aufwand überflüssig. Ja, die Europäische Union ist wahrlich nicht perfekt. Aber ganz ehrlich: Nirgendwo sehe ich auch nur im Ansatz eine seriöse Alternative. Es muss deshalb das Ziel sein, Europa noch besser zu machen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Vielleicht müssen wir uns alle auch etwas zurücknehmen, wenn wir Kritik an den europäischen Institutionen üben. Immer wieder steht der Vorwurf überbordender Bürokratie im Raum. Manchmal ist etwas despektierlich von „den Brüsseler Bürokraten“ die Rede. Nur mal so viel: Allein die Stadtverwaltungen von Köln, Düsseldorf und Dortmund beschäftigen zusammen mehr Mitarbeiter als die EU-Kommission. Lassen wir doch nur diesen Vergleich einmal kurz auf uns wirken. Ich finde, da relativiert sich wohl einiges. Also mehr Ehrlichkeit bitte!

Die vier großen Freiheiten, nämlich die Freizügigkeit von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen auf einem Markt von – Großbritannien noch eingerechnet – immer noch 500 Millionen Menschen, gehören zu den großartigsten wirtschaftspolitischen Weichenstellungen und Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Sie zu sichern ist eine Verpflichtung, der wir alle uns auch mit Blick auf unsere Kinder und Enkel verschreiben sollten. Ich möchte jedenfalls nicht, dass sie wieder Schlagbäume und Grenzkontrollen erleben müssen.

Der Wandel der Arbeitswelt wird sich in den kommenden Jahren erneut deutlich beschleunigen. Digitalisierung, Internet der Dinge, denkende Fabriken und künstliche Intelligenz stellen den europäischen Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen. Er wird flexibler werden, so dass auch der europäische Gesetzgeber gut beraten wäre, die richtigen Rahmenbedingungen und Leitplanken zu setzen für Flexicurity, also Flexibilität und Sicherheit, wie es etwa durch die EU-Richtlinie zur Zeitarbeit bereits umgesetzt wurde.

In Zukunft müssen weitere aktualisierte Rechtsvorschriften im Beschäftigungsbereich die Arbeit modernisieren, um die Anpassung an eine digitale Welt zu erleichtern, nachhaltige Übergänge von der Arbeitslosigkeit ins Erwerbsleben und von einem Arbeitsplatz zum nächsten zu unterstützen, die Mobilität der Arbeitnehmer zu erhöhen und für eine engere Abstimmung zwischen der Wirtschafts- und Sozialpolitik zu sorgen.

Gerade Personaldienstleister können hierbei – auch grenzüberschreitend- wertvolle Beiträge zur Problemlösung leisten. Die Arbeitsmarktbedingungen in der EU haben sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, und die meisten Arbeitsmarktindikatoren verzeichneten einen stetigen Anstieg. Seit Mitte 2013 ist die Arbeitslosenquote in der EU rückläufig und liegt inzwischen wieder auf dem Stand vor der Krise (6,8 % im Juli 2018). Trotz der Erholung des Wirtschaftswachstums und seiner positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt steht die EU noch vor Herausforderungen im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit, insbesondere in Bezug auf Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, Jugendarbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit.

Die Europawahl 2019 ist die neunte Direktwahl zum Europäischen Parlament. Sie findet vom 23. bis 26. Mai in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union statt, in Deutschland und Österreich am 26. Mai 2019.

Europa ist sicher nicht perfekt und es gibt vieles zu verbessern. Generell in Frage stellen sollten wir es aber nie. Lassen Sie uns die Europawahl daher zu einem Referendum für Europa machen. Motivieren Sie Angehörige, Freunde, Kollegen und Mitarbeiter zur Wahl zu gehen und die pro-europäischen Kräfte zu stärken – in unserem gemeinsamen Interesse.

Von RA Werner Stolz, iGZ-Hauptgeschäftsführer

 

Was bringt die Europawahl für die Zeitarbeitsbranche?
Auf den folgenden Infoseiten wollen wir informieren und diskutieren:

 

  • Interview mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Thomas Bareiß MdB
  • Dienstleistungsfreiheit - Personaldienstleistung innerhalb von Europa
  • Austauschprogramm für PDK, eine Auszubildende berichtet
  • Grenzüberschreitend arbeiten – Best Practice SYNERGIE
  • Entstehung der EU