Direkt zum Inhalt

Bildung

Digitale Transformation: Wer sind die Job-Gewinner und -Verlierer von morgen?

Digitale Kompetenzen gelten künftig als Kernkompetenz in allen Bereichen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erforscht in Langzeit-Studien die Auswirkungen von Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. Dabei belegen aktuelle Zahlen, dass der Weiterbildungsbedarf weiter steigen und der Aufwand für den Datenschutz noch zunehmen wird. Auf den Arbeitsmarkt bezogen ist das positiv, weil dadurch Jobs entstehen. Doch die damit einhergehende verbesserte Produktivität wird auch Jobs kosten. Laut einer aktuellen IAB-Studie ist schon jetzt abzusehen, dass durch Digitalisierung etwa 1,5 Millionen Jobs dem Rotstift zum Opfer fallen werden. Auf der anderen Seite entstehen rund 1,5 Millionen neuer Jobs, bei denen wir vielfach noch gar nicht wissen, wie sie aussehen. Dabei trifft der Abwärtstrend nicht so sehr die Berufsgruppe der Helfer, sondern vielmehr diejenigen Arbeitsbereiche, die von Routinetätigkeiten geprägt sind. Dazu gehören zum Beispiel das verarbeitende Gewerbe ebenso wie Versicherungen und Banken. Fachkräfte und Experten dürfen sich dagegen freuen: IT-Fachleute, Wirtschaftswissenschaftler und Juristen sind die Job-Gewinner von morgen.

 

Blick über den Tellerrand

Wie steht es nun um die Auswirkungen der digitalen Transformation auf künftige Kompetenzen von Fachkräften? Schauen wir uns die Entwicklung bei größeren inhabergeführten Betrieben in Deutschland an, zeichnet sich ein deutlicher Trend ab: In vielen Fällen gelten digitale Kompetenzen bereits als Kernkompetenz für alle anderen Bereiche. Folgerichtig lenken diese Unternehmen zunehmend den Blick über den Tellerrand, indem sie erfolgreiche „Garagen-Firmen“ à la Google und Apple nachahmen: Da arbeiten Kollegen verschiedener Fachbereiche kreativ in „Denkfabriken“ und „Zukunftslabors“ zusammen – auf Augenhöhe versteht sich und immer mit dem Ziel, die Kommunikation, das analytische Denken und die Zusammenarbeit aller zu fördern. Und die sogenannten „Global Player“? Die setzen auf „selbstgesteuertes Lernen“ und „Wissenstransfer“. So stellen viele Arbeitgeber bereits jetzt die entsprechenden Notebooks zur Verfügung, damit die Auszubildenden ihre „Lern-Nuggets“, also kleine „Lernhäppchen“, etwa zum Thema „Arbeitssicherheit“, einfach selbst produzieren können. Frei nach dem Motto: Lerner lernen am effektivsten von ihren Co-Lernern. Damit wird auch das Thema Führung immer wichtiger: Führungskräfte übernehmen zunehmend die Funktion des „Ermöglichers“, der zwar den Lern- und Handlungs-Rahmen zur Verfügung stellt, nicht aber die Marschrichtung vorgibt.

Frage der Motivation

„Führen heißt, Chancen geben und ihre Nutzung fordern“, sagt folgerichtig der Finanzvorstand eines großen Automatisierungstechnik-Herstellers. Denn genau darum geht es: Zwar hat der Lerner durch digitalisierte Bildungs- und Weiterbildungsangebote die Möglichkeit, sein Lernprogramm verstärkt selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Doch eines dürfte auch klar sein: Er muss die geforderten Arbeitsergebnisse in einem bestimmten zeitlichen Rahmen liefern, denn das ist Teil der Übung. Dabei können verschiedene Dinge als „Schlüssel“ zur Motivation dienen: Die Aussicht auf ein bestimmtes Zertifikat oder einen Karriereschub, aber auch die Mitwirkung an einem Projekt, das Vorteile für den Lerner selbst oder seine Lern-Community mit sich bringt, sind effektive Mittel. Überdies hat es sich bewährt, „Ikonen“ der Bildung zu schaffen, also Vorbilder, die einen einmal eingeschlagenen Bildungsweg erfolgreich gegangen sind, und regelmäßig über sie zu berichten. Und schließlich und endlich geht es bei der Weiterbildung der Zukunft auch um das richtige „Mindset“, also die passende Grundeinstellung: Wer nur bereit ist, sich von 9 bis 17 Uhr zu engagieren, dürfte es in Zukunft noch schwerer haben als bisher. Und wer davon ausgeht, dass ihn die einmal abgeschlossene, dreijährige Grundausbildung durch die nächsten 40 Jahre seiner beruflichen Laufbahn tragen wird, befindet sich ebenfalls auf dem „Holzweg“. Lebenslang Lernen lautet das neue Credo, und darin liegt auch die Chance! Der iGZ bietet diverse Webinare zu arbeitsrechtlichen Themen an, so zum Beispiel zum Thema „Equal Pay“ (20.11.2018) oder auch zur „Arbeitnehmerüberlassung mit Auslandsbezug“ (29.11.2018). Speziell an Führungskräfte wendet sich der iGZ-Workshop „Mein agiles Unternehmen“ (28.11.2018-30.11.2018 in München). Mehr Informationen und Anmeldung: https://ig-zeitarbeit.de/bildung/seminare

 

Bettina Richter, iGZ-Referentin Digitale Bildung

 

Über die Autorin

Bettina Richter ist studierte Amerikanistin und ausgebildete Redakteurin. Sie verfügt über Erfahrungen als Pressereferentin und Online-Redakteurin. Seit Anfang 2015 arbeitet Bettina Richter für den iGZ, wo sie seit Juni 2018 das Thema „Digitale Bildung“ gemeinsam mit dem Fachbereich Bildung vorantreibt.