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New Normal oder alter Hut?

Ein Laptop auf einem Tisch umgeben von digitalen Fragmenten symbolisiert New Work.

Dieser Blog erschien zuerst auf der Linkedin-Seite von Timm Eifler, dem iGZ-Landesbeauftragten Hamburg.

Wer schon länger in der Zeitarbeitsbranche, generell dem HR- Bereich oder der Personalbeschaffung tätig ist, konnte sich in den letzten Jahren immer wieder verwundert die Augen reiben. Vor Jahren noch unvorstellbare Dinge wurden plötzlich en vogue und es schien, als erwache der deutsche Arbeitsmarkt aus seinem Dornröschenschlaf.

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass flexible Arbeitszeiten, neue Formen der Mitarbeiterführung, die Digitalisierung und das Homeoffice salonfähig geworden sind. Der einzelne Mitarbeiter* sollte plötzlich im Mittelpunkt stehen und seine Arbeitsleistung eigenverantwortlich und nahezu unbeachtet von Raum und Zeit erbringen dürfen.

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, waren viele Mittel recht. Es wurden schnell Maßnahmen getroffen und die Erstellung des rechtlichen Gerüsts oftmals vertagt. Wer zuvor nur im Büro gearbeitet hatte, durfte sich im Homeoffice ausprobieren und es war auf einmal gar nicht entscheidend, ob das alles im Rahmen der arbeitsrechtlichen Grundlagen passierte. Pausen- und Arbeitszeiten, sonst der heilige Gral im Arbeitsrecht, sollten nicht mehr so wichtig sein.

Es schien also, dass im Zeichen der Krise unser Arbeitsmarkt seine Bewährungsprobe bestanden hat. Auch in Deutschland hat man erkannt, dass sich die Zeiten geändert haben. "New Work, Flexibilisierung und Globalisierung" - wir kommen. Wenn auch initiiert durch den Druck der Corona-Pandemie.

Soweit so gut, die Krise wurde in jedem Fall gut gemeistert und der ganz große Knall ist ausgeblieben.
Aber war es vielleicht doch nur ein Pandemie-Flexibilisierung-Strohfeuer für den Arbeitsmarkt?
So scheint es leider. Denn statt einer tatsächlich nachhaltigen, grundlegenden Veränderung, treten vermehrt wieder alte Denkmuster zutage, wenn es um die Grundlagen des Arbeitsmarktes geht.

Homeoffice soll doch nicht mehr so verpflichtend sein und Flexibilität und insbesondere Formen des drittbezogenen Personaleinsatzes, sollten vielleicht doch besser so behandelt werden wie in den letzten Jahrzehnten. Klar gibt es jetzt tolle neue Officekonzepte. Die sollen aber vor allem die Mitarbeiter*innen wieder in die Büros bringen. Der Wettkampf zwischen Office und Homeoffice beginnt also erst richtig. Von einer neuen, der vielmals gepriesenen, hybriden Arbeitskultur, ist flächendeckend bisher jedenfalls wenig zu sehen.

Mit dem Ende der Corona-Pandemie scheint auch die Aufbruchstimmung am Arbeitsmarkt zu verschwinden. Man darf gespannt sein, wie das weitergeht. Denn die neue Bundesregierung fängt langsam an, sich warmzulaufen und so entstehen - oft unbemerkt von der Öffentlichkeit - Regelungen und Zielsetzungen, die eine ganz andere Sprache sprechen, als den deutschen Arbeitsmarkt fit für die Zukunft zu machen. Dabei geht es eher um alte Feindbilder und das Festhalten am Status quo.

Als Zeitarbeitsunternehmen hatte man sich jedenfalls darüber gefreut, endlich als normale Branche anerkannt zu werden. Richtigerweise wurden die Regelungen der Kurzarbeit in der Krise auch unserer Branche zugestanden. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, sowie die verantwortlichen Behörden, standen mit den Belegschaften zusammen, um die Auswirkungen der Krise gemeinsam zu meistern.

Doch kaum naht das Ende der Pandemie, ist es mit dieser Harmonie wieder vorbei. Bei der letzten Verlängerung der Kurzarbeitsregelungen wurde die Zeitarbeitsbranche ganz bewusst ausgeklammert. Ein Bekenntnis sieht anders aus.

Und auch an anderer Stelle wird eine deutliche Sprache gesprochen. So werden im Rahmen der Umgestaltung der geringfügig Beschäftigten auch Regelungen für die Zeitarbeit eingebaut, die in dieser Allgemeingültigkeit eine unnötige Härte für die Branche darstellen. Die neuen digitalen Dokumentationspflichten für Arbeitszeiten sind sicher der richtige Weg für die Zukunft. Der aktuelle Schnellschuss ohne angemessene Einbeziehung der Wirtschaft und Branchenvertreter geht aber über das Ziel hinaus. Das vor allem, weil die Zeitarbeitsbranche schon heute eine der Branchen mit den umfassendsten Dokumentationspflichten ist.

So scheinen wir wieder einmal mit anderen Branchen in einen Topf geworfen zu werden, ohne das unsere Errungenschaften der letzten Jahre im Rahmen der Tarifbindung und Lohnsteigerungen angemessen berücksichtigt werden. Das ist schade, ist doch gerade die Zeitarbeitsbranche bestens dafür gerüstet, die Transformation des Arbeitsmarktes rechtssicher zu gestalten. Denn nur wir bieten tariflich eingebundene, feste Arbeitsverhältnisse für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und trotzdem genug Flexibilität für Unternehmen.

Die Neugestaltung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes bleibt in Angesicht der Demographie und des Fachkräftemangels jedenfalls zu wichtig, um sie als alten Hut leichtfertig an den Nagel zu hängen.

Ein Bild des Autors Timm Eifler.

Über den Autor

Dr. Timm Eifler ist aktiv im iGZ-Bundesvorstand der Tarifkommission und Landesbeauftragter für Hamburg und setzt sich für den Verband und die Zeitarbeitsbranche ein. Seit über 20 Jahren ist Eifler mit der hanfried Personaldienstleistungen GmbH in der Branche tätig.