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Hospitation mit Druckbetankung

Ein Mensch grübelt über vieles nach.

Ende Oktober rauchte mir der Kopf dann doch ganz ordentlich. Angefangen am 1. des Monats als neuer Fachbereichsleiter Bildung schwirrten Namen, Fachbegriffe und Strukturen um mich herum, die ich bei weitem so schnell nicht verorten konnte. Von „Equal-Pay“, dem kaufmännischen Berufsbild „PDK“ über das „Dreiecksverhältnis“ bis hin zu den iGZ-internen Strukturen erschien mir die Welt der Zeitarbeitsbranche doch sehr komplex und zugleich gefühlt familiär. Aber so richtig sicher fühlte ich mich noch nicht auf dem Parkett der Personaldienstleistungsbranche.

„Wie geht man, wie gehe ich nun am besten mit dieser typischen Quereinsteiger-Situation um?“, habe ich mich so manches Mal in den ersten vier Wochen in der Bundesgeschäftsstelle in Münster gefragt. Dabei wusste ich wohl, dass es nicht lange dauern würde, bis mir die passende Idee kam. Und so benötigte es denn auch nur wenige Tage und ein paar Runden beim abendlichen Joggen am Aasee, dann war sie da – die Idee, mir mittels Unterstützung von gestandenen Profis geschickt und kompakt mit langanhaltender Tiefenwirkung „Zeitarbeits-Know-How“ als Druckbetankung einzuflößen. Motto: Weg aus Münster, eine Hospitanz vor Ort in einer Niederlassung erleben. Mein Ziel war es, ganz praktisch zu erfahren, wie das eigentlich so geht mit der Personaldienstleistung.

Lange Rede, kurzer Sinn: Bei der Geschäftsleitung von pd Personaldienst GmbH & Co. KG in Minden traf ich mit meinem Anliegen auf offene Ohren, und so saß ich auch schon in der 2. Novemberhälfte in einer pd-Niederlassung in Lübbecke bei Tanja Alhorn, Constanze Telgheder, Daniela Menzel und Claudia Karl quasi am „Katzentisch“, so wie es andere Praktikanten und Referendare in Lehrerzimmern auch tun. Und dann ging es los, eine Erfahrung übrigens, die ich in der Rückschau nicht missen möchte: Zwar gab es corona-bedingt nicht viel Publikumsverkehr, doch immer wenn ein Kandidat/Bewerber im Hause war, konnte ich bei den entsprechenden Gesprächen „Mäuschen spielen“. Die Bewerber haben wir regelmäßig über meine Rolle als Praktikant informiert – das war auch o.k. für die Damen und Herren – ein sehr vertrauenswürdiger Impuls mir gegenüber, der aber auch fast spiegelbildlich für die Nähe, die Intensität und die soziale Empathie zwischen den Disponenten und den Kandidaten steht. Wieviel Herzblut bei der Gewinnung der einzelnen Bewerber mitschwingt, wie individuell die jeweiligen Charaktere angesprochen werden, damit am Ende für alle Beteiligten die erfolgversprechendste arbeitsvertragliche Situation gefunden werden kann, hätte ich mir vorher nicht ausmalen können. Ob das junge Pärchen aus Lübbecke, das gemeinsam im Lager arbeiten möchte, oder der über 50jährige Deutsch-Russe, der gesundheitliche Probleme hat, aber noch lange nicht den ganzen Tag auf dem Sofa liegen will – die Betreuung erfolgte ausgesprochen persönlich und individuell – das war sehr beeindruckend zu erleben.

Beindruckend war auch, dass der erfolgreichen Niederlassung in Lübbecke ein weiteres Geheimnis innewohnte: In Summe gab es jeden Tag einen kommunikativen Austausch in Echtzeit zwischen den Mitarbeitern, um jede noch so kleine eingegangene Information zu einem Mitarbeiter zu teilen. Von Krankheit, über individuelle Situationen bis hin zu Lob und Tadel des Einsatzunternehmens – eine perfekt eingespielte interne Kommunikation schien mir eine wesentliche Säule des Erfolgs zu sein. Und das meistens face-to-face im kurzen Flurfunk oder in kompakten Meetings ohne viel digitales Gedöns. Das ist ganz großes Kino – eine interne Kommunikation, die man vielen anderen Strukturen und Systemen nur wünschen könnte. Mein Fazit nach den drei Tagen fiel jedenfalls extrem positiv aus. Sicherlich würde ich auch jetzt noch nicht jede mündliche Prüfung zur Zeitarbeit bestehen, aber: Selbst wenn so eine fiktive Situation real würde, wüsste ich nun, wo ich die besten Mentoren für eine gute Prüfungsvorbereitung hätte: Bei Tanja, Constanze, Daniela und Claudia in Lübbecke. Das Abschlusskaffee-Trinken bei leckeren süßen Teilchen war dann natürlich auch super. Schließlich war ich der „Hahn im Zeitarbeits-Korb“.

Über den Autor

Professor Dr. Jens Große ist ausgebildeter Redakteur. Nach einem Promotionsstudium an der Deutschen Sporthochschule Köln und Lehrtätigkeit als Hochschullehrer an der FHM in Bielefeld, wurde er im Jahr 2007 zum Professor für Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) ernannt. Es folgten führende Positionen an den Standorten Köln und Hannover der FHM im Lehrbetrieb und in der pädagogischen Leitung sowie eine Anstellung als Campusdirektor in der Team- und Verwaltungsleitung an der Hochschule Macromedia Berlin. Seit dem 1. Oktober 2021 ist Professor Dr. Jens Große Fachbereichsleiter im Fachbereich Bildung und Personal/Qualifizierung beim iGZ e.V..