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Digital und grün: die Zukunft nach Corona

Die Digitalisierung. Noch im vergangenen Jahr hatte man den Eindruck, dieses Thema sei nur etwas für IT-Nerds oder abgehobene Unternehmensberater. Etwas, das irgendwann mal, in einer fernen, fernen Zukunft an Bedeutung gewinnen könnte. Etwas, das für die Personaldienstleistungsbranche aktuell kaum eine Relevanz hat. Jedenfalls dann nicht, wenn man unter ihr mehr versteht als das Versenden und Empfangen von E-Mails oder das Arbeiten mit Computerprogrammen zur Unterstützung der internen Arbeitsabläufe. Dass der Verband dieses Thema immer wieder angesprochen hat, wurde, so schien es, allenfalls geduldet.

Digitale Tools breiten sich aus

Aktuell scheint sich diesbezüglich viel getan zu haben. Man muss wohl sagen: Corona sei Dank. Denn in dem Maße, in dem sich Arbeitsabläufe dezentralisiert in die Homeoffices verlagert haben, wurden plötzlich digitale Tools genutzt, die es zwar schon seit Monaten oder länger gab, auf die aber in der Breite nicht oder so gut wie nicht zurückgegriffen wurde. Kaum jemand, der in den vergangenen Wochen nicht schon eine Video-Konferenz mit Teams, Zoom oder einem anderen Anbieter genutzt hat. Und, seien wir ehrlich: Jenseits aller technischen Anlaufschwierigkeiten war die Effektivität der Besprechungen doch überraschend hoch. Wo die punktuelle Akzeptanz für diese Form der digitalen Unterstützung der Arbeitsabläufe wächst, entsteht auch eine größere Bereitschaft sich auf andere Rationalisierungseffekte der Digitalisierung einzulassen.

Gestaltung des ökologischen Wandels

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat diese Entwicklungen im Blick und befasst sich intensiv damit. Sie nehmen dieses Thema aktuell zusammen mit der ökologischen Wirtschaftswende in einer neuen Arbeitsgruppe in den Fokus. Die Transformation ist also nicht nur digital, sondern auch grün, machen der Leiter der Arbeitsgruppe, Dr. Florian Lehmer, und Dr. Markus Janser, Arbeitsmarktexperte für ökologische Transformationsprozesse beim IAB, in einem gemeinsamen Interview deutlich. „Ein Beispiel ist der Umstieg auf Elektromobilität: Die Arbeitsplatzeffekte des Umstiegs auf Elektroautos sind nur sehr schwer von denen der zunehmenden Digitalisierung zu trennen“, sagt Janser. Sein Kollege weist auf die vorhandenen Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Megatrends hin: „Die Digitalisierung beschleunigt und unterstützt zahlreiche gesellschaftliche Prozesse und damit auch die Gestaltung des ökologischen Wandels. Ein Beispiel ist das Management einer nachhaltigen Energieversorgung: Für die Energiewende spielt die Digitalisierung in Form von „Smart Grids“, also „intelligenter“ Stromnetze, eine Schlüsselrolle“, so Lehmer

4.0-Technologien bringen Beschäftigungswachstum

Konkret werden die IAB-Forscher auch, wenn es um die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt geht. Und Markus Janser macht Mut, dass Rationalisierung nicht bedeutet, dass es zu Arbeitsplatzverlusten kommen wird: „Allgemein lässt sich sagen, dass weder die digitale noch die ökologische Transformation bis jetzt unterm Strich zu größeren Beschäftigungsverlusten geführt haben. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass Betriebe, die in den letzten Jahren in 4.0-Technologien investiert haben, sogar ein etwas höheres Beschäftigungswachstum verzeichnet haben als Betriebe, die dies nicht getan haben.“ Im Kern bestätigen sie damit eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Hier ist Dr. Oliver Stettes vor einigen Monaten in einer Projektionsuntersuchung zu einer ähnlichen These gekommen.

Insofern gilt: Nutze die Chance!

Corona wird der Gesellschaft und der Wirtschaft einen Digitalisierungsschub verpassen. Die Personaldienstleister sind nicht so sehr gefragt bei der Digitalisierung von Produktionsprozessen – das liegt in der Verantwortung der Einsatzbetriebe. Sie sind aber verantwortlich für die Optimierung ihrer internen Abläufe und vor allen Dingen auch dafür, qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen, das den (unter Umständen neuen oder veränderten) Ansprüchen der Einsatzunternehmen entspricht. Gerade der Kernprozess des Recruitings und des Vertriebs wird sich spürbar verändern. Wenn Corona uns lehrt, dass Besprechungen, Akquise oder Vorstellungsgespräche virtuell dann doch besser funktionieren, als befürchtet – dann wird es auch andere Prozesse nachhaltig verändern. Deswegen lautet unser Rat: Öffnen Sie sich gerade als Personaldienstleister für die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. Das ist keine Frage von „ja“ oder „nein“ – es wird mittelfristig eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens sein.

Über den Autor:

Marcel Speker ist studierter Politikwissenschaftler und ausgebildeter Redakteur. Er verfügt über Erfahrungen als Journalist und Autor. Als Pressesprecher war er im politischen und arbeitgeberverbandlichen Umfeld, u.a. beim Spitzenverband der rheinland-pfälzischen Wirtschaft (LVU) und dem Verband der Pfälzischen Metallund Elektroindustrie tätig. Er ist Digitalisierungsbeauftragter beim iGZ und seit 2012 leitet er die Kommunikationsabteilung und ist dort zuständig für die Referate Newsdesk, Veranstaltungen und Verbandsmarketing.