Nach dem Einbruch geht es wieder aufwärts
Bosch benötigt keine, VW auch nicht, aber BMW hat die Zahl aufgestockt. Auch Porsche und Mercedes treten als Nachfrager auf. Die Rede ist von Leiharbeit [1]ern, Beschäftigten, die für eine bestimmte Zeit in Unternehmen geholt werden. Porsche hat an einigen Standorten - unter anderem in Stuttgart, Weissach und Leipzig - die Zahl der Zeitarbeiter wieder leicht aufgestockt.
Mercedes hat im Werk Sindelfingen, in dem noch vor wenigen Wochen kurzgearbeitet wurde, inzwischen 300 Leiharbeit [1]er eingestellt; Grund sei das große Interesse sowohl an der E- als auch an der S-Klasse. BMW hat derzeit 3300 Beschäftigte geliehen - unter anderem in Leipzig. In Boomzeiten hat der Autohersteller zwischen 5000 und 6000 Leiharbeiter beschäftigt; im vergangenen Jahr waren es nur 1500. Dies hat auch mit dem Wechsel von Automodellen zu tun, aber nicht nur.
Zeitarbeitsbranche gebeutelt
In Spitzenzeiten haben Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland fast 814 000 Beschäftigte ( September 2008) an Unternehmen ausgeliehen. Die Wirtschaftskrise hat die Branche gebeutelt. Der Tiefpunkt war im Mai 2009 mit 517 000 Leiharbeitern erreicht. In Baden-Württemberg war die Entwicklung besonders negativ: 40 Prozent der Leiharbeiter sind im wahrsten Sinne auf der Strecke geblieben (Oktober 2009 verglichen mit Oktober 2008). Im Bundesschnitt waren es "nur" 24 Prozent. Besonders in der Flaute hat sich die Stärke des Südwestens als großer Nachteil erwiesen - Autoindustrie und Maschinenbau waren hart getroffen.
Abwärtstrend gestoppt
Seit Mitte vergangenen Jahres ist der Abwärtstrend im Bundesgebiet gestoppt - im Oktober beschäftigte die Zeitarbeitsbranche wieder knapp 600 000 Menschen. Damit liegt der Anteil der Leiharbeiter gemessen an allen Beschäftigten bei 1,5 Prozent. (…)
Zweiteilung
Suzana Bernhard, Geschäftsführerin der Dekra [3] Arbeit GmbH, spricht allerdings von großen Unterschieden, von einer Zweiteilung des baden-württembergisches Marktes - in Firmen, die die Kurzarbeit [4] beendet haben und denen es wieder relativ gut gehe, und in Unternehmen, die von Aufschwung noch nichts spürten. Was beide unterscheidet, kann die Dekra-Geschäftsführerin nicht sagen. "Ich habe es nicht herausgefunden." Es handele sich dabei um Unternehmen, die in derselben Branche tätig seien, ähnliche Produkte und eine vergleichbare Größe hätten - nur der eine habe neue Aufträge, der andere nicht. (…)
Facharbeiter gefragt
4500 Zeitarbeiter hat die Dekra Ende November beschäftigt, 1700 mehr als Anfang vergangenen Jahres. Damit liege man nur noch 10 bis 15 Prozent unter dem Niveau der Boomzeiten. Gefragt seien Lagerarbeiter und Logistikbeschäftigte, ein großer Anteil entfalle auf Facharbeiter und kaufmännisches Personal. Gefragt sei zudem Pflegepersonal. Rund zehn Prozent der verliehenen Beschäftigte seien Ingenieure. Ähnlich sieht es im gesamten Bundesgebiet aus. (…)
Dumpinglöhne
Gerade der hohe Anteil der Hilfsarbeiter treibt die Branche derzeit um. Grund ist das Entsendegesetz - spätestens im Mai nächsten Jahres werden die europäischen Grenzen geöffnet, dann können osteuropäische Zeitarbeiter auch hier tätig werden. Die Branche befürchtet einen Preiskampf - ausgelöst durch Dumpinglöhne. Polen und Tschechen würden schon heute teilweise für vier bis fünf Euro pro Stunde im Bereich Logistik in Ostdeutschland arbeiten, ist zu hören. Hierzulande werde in der untersten Lohngruppe rund 7,50 Euro pro Stunde gezahlt - dies haben die beiden großen Verbände BZA [5] und IGZ (Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen) mit dem DGB [6] vereinbart. Sie fordern nun einen Mindestlohn [7] für ihre Branche (…). (Inge Novak, Stuttgarter Zeitung [8], 18.01.´10)
Verweise:
[1] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/1845
[2] http://www.ig-zeitarbeit.de/system/files/01020140126500.jpg
[3] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/2018
[4] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/354
[5] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/258
[6] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/260
[7] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/230
[8] http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2351506_0_4481_-im-suedwesten-keimt-hoffnung.html