Positiver Umgang mit Beschäftigten
Berlin. In der regionalen Metallbranche gibt es noch keine Anzeichen für ein Ende der Krise. Das ist das Ergebnis einer Konjunkturumfrage des Verbands der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg, die gestern vorgestellt wurde. „Wir müssen uns für geraume Zeit auf eine schwierige Situation einstellen“, sagt Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck.
Während der Ifo-Geschäftsklimaindex schon wieder zaghaft nach oben zeigt und der Konkumklima-Index der Gesellschaft für Konsumforschung im Mai auf niedrigem Niveau stabil blieb, gibt es in der mit 93 000 Beschäftigten größten Industriebranche der Region noch keine Anzeichen für ein Ende der Krise. Im Gegenteil: Bei einem Drittel der befragten Betriebe sind die Kapazitäten nur noch zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet. 48 Prozent rechnen im kommenden halben Jahr sogar mit weiter sinkenden Aufträgen. Bei 41 Prozent der Betriebe reicht der Auftragsbestand nur noch für ein bis zwei Monate. Auch Investitionen werden weiter gedrosselt. Das gab mehr als die Hälfte der Befragten an.
Deutliche Unterschiede
Dabei gebe es allerdings deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen, sagte Amsinck. Während die Automobilindustrie und deren Zulieferer von der Wirtschaftskrise voll erfasst worden seien und auch die Luft- und Raumfahrtbranche eine rückläufige Entwicklung verzeichne, hätten Schienenfahrzeugbau, Energiewirtschaft und Medizintechnik noch volle Auftragsbücher.
Zeitarbeitnehmer halten
Positiv sei der verantwortungsvolle Umgang der Unternehmen mit ihren Beschäftigten, lobt Amsinck. Das zeige sich am nur mäßigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. 84 Prozent der Betriebe wollen der Umfrage zufolge im nächsten halben Jahr ihre Stammbelegschaft halten. Im Januar waren es 88 Prozent. 60 Prozent planen auch bei befristet Beschäftigten keinen weiteren Abbau und 68 Prozent wollen die verbliebenen Zeitarbeiter im Betrieb behalten.
Fachkräftemangel
Der größte Teil des Abbaus von Zeitarbeit und befristeten Stellen sei offenbar bereits passiert, sagte Amsinck. Die Unternehmen hätten erkannt, dass sie durch den Bevölkerungsrückgang auf lange Frist mit einem Fachkräftemangel konfrontiert seien und ein Personalabbau ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährde.
Kurzarbeit [2]
Derzeit helfe die Kurzarbeit, weitere Entlassungen zu vermeiden. 52 Prozent der Betriebe nutzen die Kurzarbeit. Meist fallen ein bis zwei Arbeitstage wöchentlich aus. Das Instrument der Kurzarbeit könne allerdings nur über einen beschränkten Zeitraum eingesetzt werden. „Wenn die Aufträge weiter ausbleiben, wird es schwer“, betont Amsinck. Dann seien auch Entlassungen in größerem Umfang nicht ausgeschlossen.
Abwärtsbewegung verlangsamt
Insgesamt habe sich die Abwärtsbewegung in der Branche zwar verlangsamt, aber eine Trendumkehr sei noch nicht absehbar. „Die Betriebe fahren nach wie vor auf Sicht“, sagt er. Im Verlauf des Jahres 2009 könnte der Abwärtstrend zum Ende kommen. Bis zu einem Wiederaufstieg werde es aber noch länger dauern. An der Konjunkturumfrage hat sich ein Drittel der regionalen Branchenbetriebe mit rund 61 Prozent der Beschäftigten beteiligt.
Lichtblick
Anders als regionale Unternehmensverband registriert der Dachverband Gesamtmetall [3] einen Lichtblick für die Branche. Der Auftragseingang sei im März gegenüber Februar um fünf Prozent gestiegen, die Exporte hätten sogar um acht Prozent zugelegt, sagte Sprecher Peter Klotzki. Auch die Produktion sackte nicht mehr weiter ab, sondern nahm um 0,7 Prozent zu. Die Talfahrt in der Branche ist laut Klotzki vorerst gestoppt. Es bleibe aber abzuwarten, ob es sich dabei um eine dauerhafte Erholung handle. (Von Ulrich Nettelstroth)
Verweise:
[1] http://www.ig-zeitarbeit.de/system/files/maz_online.jpg
[2] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/354
[3] http://www.ig-zeitarbeit.de/glossary/term/4339