BA und Bertelsmann Stiftung entwickeln „My Skills“

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Neuer Berufstest für Arbeitslose und Flüchtlinge

„My Skills macht das Unsichtbare sichtbar“, zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ) Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Der neue bundesweite Test „My Skills“ (Meine Fähigkeiten) der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Bertelsmann Stiftung soll Flüchtlingen und ungelernten Arbeitslosen dabei helfen, leichter in den Arbeitsmarkt zu finden.

Das Produkt solle zeigen, welche Fähigkeiten Arbeitslose ohne Berufsabschluss oder berufliche Zeugnisse besitzen und welche nicht. „Einen Test, der so schnell in so großer Anzahl aussagekräftige individuelle berufsfachliche Profile ermöglicht, hat es bislang nicht gegeben“, erklärt Dräger im Interview mit der Zeitung.

Test für acht Berufe

Rund vier Stunden dauere der computergestützte Test. Die Teilnehmer sehen Videos und Bilder von typischen Situationen in einem bestimmten Berufsalltag, so die SZ, und müssen von 120 fachspezifische Fragen die richtige Antwort ankreuzen. Die Tests finden in den Räumen der Arbeitsagenturen und Jobcenter statt. Momentan gebe es den Test für acht Berufe: Kfz-Mechatroniker, Verkäufer, Tischler, Koch, Landwirt, Hochbaufacharbeiter, Fachkraft für Metalltechnik und für Bauten- und Objektbeschichter. Bis zum Jahresende solle das Programm auf 30 Berufe ausgeweitet werden.

Testfragen

Testteilnehmer für den Beruf Koch müssen unter anderem Fragen wie beispielsweise „Sie zerlegen ein Hühnchen für die weitere Verarbeitung. Wo setzen Sie den Schnitt an, um das Brustfilet auszulösen? Was für Reinigungsutensil brauchen Sie, wenn der Fußboden besonders schmutzig und klebrig ist? In welcher Art zerkleinern Sie Möhren, wenn Sie sie auf dem Salatbuffet anbieten möchten?“ beantworten.

Für Geringqualifizierte und Flüchtlinge

Das Programm solle Geringqualifizierten aus Deutschland und Flüchtlingen helfen, leichter einen Arbeitsplatz zu finden oder an ihrer Fortbildung passgenau zu arbeiten. Ein Großteil der Arbeitslosen habe keine Berufsausbildung. Trotzdem könne es gut sein, dass sie eine Zeit lang in einem bestimmten Beruf gearbeitet haben, auch ohne abgeschlossene Ausbildung. Das gelte auch für Flüchtlinge.

Mehrsprachiger Test

„Sie erzählen uns zum Beispiel, dass sie in einer Autowerkstatt gearbeitet haben. Ob sie aber nur Räder gewechselt haben oder zum Beispiel eine Hebebühne kennen und etwas von den elektronischen Systemen im Auto verstehen, ist für uns unklar“, erläutert Ingeborg Liebhaber, Bereichsleiterin bei der Arbeitsagentur München, eine der zehn Agenturen, in denen My Skills erprobt wurde. Daher gebe es den Test auch in Englisch, Persisch (Farsi), Arabisch, Russisch und Türkisch.

Passgenaue Vorschläge für Arbeitgeber

Bereits am nächsten Tag können Arbeitslose die Testergebnisse mit ihren Betreuern in den Agenturen und Jobcentern besprechen. „Wir können Arbeitgebern dann bessere Vorschläge machen, wir können die geeignete Anschlussqualifizierung suchen und wir können so Schritt für Schritt die Menschen auf dem Weg zu einem qualifizierten Abschluss begleiten“, betont Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der BA.

Falscher Eindruck durch Bewerbungsunterlagen

Ähnlich sieht es auch Dräger: Bewerbungsunterlagen erweckten oft den Eindruck, dass einer nichts zu bieten habe. Wer aber mehrere Jahre in einem Betrieb gearbeitet habe, ob in Deutschland oder in seinem Herkunftsland, könne eine ganze Menge und mit dem Testergebnis Arbeitgebern zeigen: „Das habe ich gelernt, da bin ich direkt einsetzbar“, sagt Jäger.

Positive und negative Erfahrungen

Laut Liebhaber war in der Münchener Arbeitsagentur zum Beispiel ein Mann, der als Helfer in einem Lager arbeitete. „Durch den Test fanden wir heraus, dass er sehr gut auch als Lagerfachkraft arbeiten und einen Abschluss machen kann“. Neben positiven Erfahrungen habe die Arbeitsvermittlerin, aber auch negative Erfahrungen machen müssen. „Wir haben schon mehrfach erlebt, dass gerade diejenigen, die sich für besonders super halten, besonders schlecht abschneiden. Unter denen, die sehr bescheiden auftraten, verbargen sich hingegen große Talente“, erklärt die Arbeitsvermittlerin. (SB)