iGZ-Landeskongress NRW: Auswirkungen der Digitalisierung diskutiert

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Homburg: „Im Internet fehlt der Nasenfaktor“

Die Digitalisierung und die Industrie 4.0 haben längst in den meisten Wirtschaftszweigen Einzug gehalten. Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus? Auf diese Frage ging Dr. Marc-André Weber, Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), ein.

Diskutierten, welche Rolle die Digitalisierung künftig für die Zeitarbeitsbranche spielen wird (v.l.): Volker Homburg, ZIP Zeitarbeit + Personalentwicklung, Moderator Marcel Speker, iGZ-Bundesgeschäftsstelle, und Dr. Marc-André Weber, Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa).

„Die Zeitschrift ‚Spiegel‘ hat schon drei Mal angekündigt, dass Computer eine Vielzahl der Arbeitsplätze vernichten werden“, blickte er auf Titelbilder des Magazins von 1964, 1987 und 2016 zurück. Bislang sei dies aber nie eingetreten. „Es gibt sicherlich den ein oder anderen Job, der durch die Digitalisierung gefährdet ist“, räumte Weber ein. Es gebe aber an anderer Stelle auch immer wieder neue Beschäftigungsmöglichkeiten. „Digitalisierung ist nicht mit Automatisierung gleichzusetzen“, betonte er.

Unternehmen an die Hand nehmen

Grundlage dafür, dass die Digitalisierung einen Mehrwert für Unternehmen mit sich bringe, seien Prozessstabilität, Prozesswissen und klar definierte Prozesse. Größere Unternehmen seien häufig schon viel weiter darin, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. „Wir müssen hier gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen an die Hand nehmen, damit diese nicht auf Dauer abgehängt werden“, erläuterte der Wissenschaftler.

„Gleichzeitige Ungleichzeitigkeit“

Am anschließenden Expertengespräch zu den Auswirkungen der Digitalisierung beteiligte sich auch Volker Homburg, Mitglied der iGZ-Projektgruppe „Zukunft der Zeitarbeit“. „Wir befinden uns in einer Zeit der gleichzeitigen Ungleichzeitigkeit“, fasste er zusammen. Es gebe Prozesse, die nach wie vor total analog verliefen, parallel zu Prozessen, die bereits vollständig digitalisiert seien. „Das ist manchmal schwer unter einen Hut zu bekommen“, so Homburg. Als Beispiel nannte er das Datenmanagement in seinem Unternehmen. „Alle Daten zu unseren Mitarbeitern, die wir täglich brauchen, haben wir digital hinterlegt. Trotzdem müssen wir einige Dokumente noch in Papierform für den Steuerprüfer aufbewahren.“

Menschlicher Faktor fehlt

Auch digitale Bewerbungs- und Jobvermittlungsplattformen hätten durchaus noch ihre Vor- und Nachteile. „Wir versuchen solche Plattformen vermehrt zu nutzen – wobei die Betonung hier auf ‚Versuchen‘ liegt“, berichtete Homburg. Denn am Ende fehle doch immer der „Nasenfaktor“. Homburg: „Ob man sich im wahrsten Sinne des Wortes ‚riechen‘ kann, also auch menschlich zusammenpasst, kann man eben nicht über das Internet herausfinden.“ Weber pflichtete ihm in diesem Punkt bei. Industrie 4.0 bedeute nicht, zwanghaft so viel wie möglich zu automatisieren. „Ein Prozess, der analog super funktioniert, muss auch nicht digitalisiert werden“, so Weber. (ML)