Personalwirtschaft interviewt iGZ-Bundesvorsitzenden

Christian Baumann

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Baumann: „Arbeitsmarktpolitische Erfolge betonen“

„Die weitere Stärkung der Sozialpartnerschaft“, nannte Christian Baumann eines der zentralen Ziele für seine Amtsperiode. Drei Monate nachdem Baumann zum Bundesvorsitzenden des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) gewählt wurde, sprach Erwin Stickling, Herausgeber des Fachmagazins Personalwirtschaft, mit ihm über die Zukunft der Zeitarbeitsbranche.

Erwin Stickling, Herausgeber des Fachmagazins Personalwirtschaft, sprach mit dem neu gewählten iGZ-Bundesvorsitzenden Christian Baumann (Foto) über die Zukunft der Zeitarbeitsbranche.

Die Sozialpartnerschaft sei nach Inkrafttreten der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) noch einmal in den Fokus gerückt. Mittels Tarifverträgen darf von den starren gesetzlichen Regelungen zur Höchstüberlassungsdauer und zum Equal Pay abgewichen werden. Stickling sprach den Tarifvertrag zur Höchstüberlassungsdauer an, der kürzlich für die Metall- und Elektroindustrie abgeschlossen wurde. Baumann nannte dies ein Beispiel für die „gut funktionierende Kooperation“ mit den Gewerkschaften.

Tariflösungen ausweiten

„Aber nicht alle Bereiche sind gewerkschaftlich so organisiert, dass wir tarifliche Lösungen verhandeln können“, gab Baumann zu Bedenken. Beispielsweise seien in der Pflege noch keine Branchenzuschlagstarife vereinbart worden, weil sich die Gewerkschaften dort sperren würden. „Das heißt, hier greift die gesetzliche Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten und die neue Equal Pay-Regelung“, erläuterte der iGZ-Bundesvorsitzende.

Löhne differenzierter vergleichen

Indes dürfe nicht vergessen werden, dass Zeitarbeitskräfte ohnehin teilweise mehr verdienen würden als die Stammbeschäftigten, etwa in der IT und der Pflegebranche. Deshalb ärgere ihn, dass nicht genau genug hingesehen werde, wenn geringere Durchschnittslöhne in der Zeitarbeitsbranche kritisiert werden. Alter, Qualifikationsniveau und andere Merkmale werden nicht differenziert genug bei den Vergleichsberechnungen bedacht“, bemängelte Baumann.

Digitalisierung auf der Agenda

Neben der Stärkung der Tarifautonomie sieht er die Intensivierung der politischen Arbeit in Berlin auf der Agenda. „Wir müssen Vorurteilen arbeitsmarktpolitische Erfolge gegenüberstellen“, bekräftigte der iGZ-Bundesvorsitzende. Zudem seien unter anderem eine engere Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit sowie die Herausforderungen durch den Fachkräftemangel und die Digitalisierung wichtig. „Meines Erachtens geht an der digitalen Transformation in unserer Branche kein Weg vorbei“, zitiert ihn die Personalwirtschaft.

Bürokratische Mammutaufgabe

Das gelte auch für die erhöhte Dokumentationspflicht, die die AÜG-Reform mit sich brachte. Momentan sei aufgrund dessen die Situation bei den Kundenunternehmen etwas angespannt. „Das wird sich aber hoffentlich bald wieder normalisieren“, zeigte sich Baumann optimistisch und appellierte an die Geduld der Kundenunternehmen. „Mit Unterstützung der Verbände haben die Personaldienstleister mittlerweile die Vertragsdokumente dem neuen AÜG angepasst“, so Baumann. „Die Kundenunternehmen haben also Rechtssicherheit.“ Dennoch sei die AÜG-Reform aber eine bürokratische Mammutaufgabe für die Zeitarbeitsbranche. (ML)