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Brüderle stellt Jobwunder in Aussicht

29.07.2010

Noch 2010 unter drei Millionen Arbeitslose

Rapide sinkende Arbeitslosigkeit, Hunderttausende neue Jobs, Vollbeschäftigung: Regierung und Experten halten ein Jobwunder in Deutschland für möglich.

Zeitarbeit in Deutschland | Unternehmen für Zeitarbeit

"Ich glaube, dass wir nachhaltig die Arbeitslosigkeit abbauen können und dieses Jahr noch unter drei Millionen kommen", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle am Mittwoch. Die Bertelsmann-Stiftung sagt für die kommenden zehn Jahre rund 2,5 Millionen zusätzliche Stellen voraus. Die Wirtschaft fordert trotzdem, den Kündigungsschutz zu lockern.

Vollbeschäftigung

Brüderle rechnet trotz derzeit noch 3,15 Millionen Erwerbsloser über kurz oder lang mit Vollbeschäftigung. "Das halte ich schon für die Perspektive für machbar", sagte der FDP-Minister am Mittwoch im ZDF. Dabei helfe auch die demografische Entwicklung: Wegen der seit Jahren niedrigen Geburtenrate wird es künftig weniger Erwerbstätige geben. Vollbeschäftigung herrscht nach gängiger Definition dann, wenn alle Arbeitswilligen einen Job haben. Als Richtwert dafür gilt eine Arbeitslosenquote von unter vier Prozent. Derzeit liegt sie mit 7,5 Prozent deutlich über dieser Schwelle. "Wir werden nicht hundert Prozent Beschäftigung haben können, aber deutlich niedrigere Quoten", sagte Brüderle. Die Bundesagentur für Arbeit legt am Donnerstag die Zahlen für Juli vor.

Positive Entwicklung

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erwartet angesichts der guten Konjunktur ebenfalls eine positive Entwicklung. "Es gibt aber auch weiterhin sehr viel Handlungsbedarf", mahnte er. Die Probleme reichten von der hohen Langzeitarbeitslosigkeit bis zum drohenden Fachkräftemangel. Den Begriff Vollbeschäftigung wollte er nicht strapazieren. "Ich möchte mich darauf nicht einlassen." Auch die Arbeitgeberverbände mahnten bei allen positiven Indikatoren zur Zurückhaltung. "Wir sind erfreut über die positive Entwicklung in der Wirtschaft und auch am Arbeitsmarkt", sagte ein Arbeitgebervertreter zu Reuters. "Aber für Euphorie ist nicht die Zeit". Es gebe noch Risiken.

Jobangebote mehr als verdoppelt

Gewerkschaften kritisieren, dass Unternehmen zunehmend auf Zeitarbeit setzen. Die Jobangebote in der Leiharbeit haben sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor. Jede dritte Stelle wird inzwischen in der Zeitarbeit angeboten. "Leiharbeit vermehrt sich geradezu rasant und verdrängt mehr und mehr Stammbeschäftigung", sagte der Zweite Vorsitzender der IG Metall, Detlef Wetzel. Dieser Weg "setzt auf Billiglohn und eine Politik des Heuern und Feuerns".

Prognose: 1,7 Millionen neue Vollzeitjobs BIS 2020

Einen dauerhaften Aufschwung am Arbeitsmarkt sagt auch die Bertelsmann-Stiftung voraus. Bis 2020 werde die Zahl sozialversicherungspflichtiger Vollzeitjobs im Vergleich zu 2003 um 1,7 Millionen zunehmen - obwohl die Industrie weiter Jobs ins Ausland verlagern wird. Für geringfügig Beschäftigte stünden bis dahin 820.000 zusätzliche Arbeitsplätze zur Verfügung. "In den nächsten Jahren wird die Nachfrage nach Arbeitskräften stärker wachsen als das Angebot", sagte Eric Thode, der Leiter der Studie "Wer gewinnt, wer verliert? - Globalisierung und Beschäftigungsentwicklung in den Wirtschaftsbranchen".

Bessere Qualifikation

Die Lücke lasse sich nicht allein durch Einwanderung schließen. "Wichtig ist neben einer besseren Qualifikation vor allem, mehr Frauen und Ältere in Beschäftigung zu bringen", sagte Thode Reuters. Viele Mütter würden nach der Babypause nicht auf ihre alte Position zurückkehren, stattdessen in Teilzeit arbeiten oder Minijobs annehmen oder gar ihren Job ganz an den Nagel hängen. "Hier werden Ressourcen verschwendet." (Reuters Deutschland, 28.07.'10)