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30.01.2012
PRO: Oliver Burkhard: Gleicher Lohn für Zeitarbeiter!
Equal pay gefordert
Leiharbeiter müssen genauso bezahlt werden, wie die Stammbelegschaft, fordert der IG-Metall-Chef von NRW, Oliver Burkhard. Aus seiner Sicht ist das nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit – das ist das Grundprinzip jeder gerechten Entgeltgestaltung. Alles andere empfindet eine sehr große Mehrheit der Menschen als ungerecht. Und deshalb gibt es nur eine Antwort: Selbstverständlich sollen Leiharbeiter genauso bezahlt werden wie Stammarbeiter. Für einige unserer europäischen Nachbarn ist das übrigens längst selbstverständlich. Dort erhalten Leiharbeitnehmer teilweise sogar Zuschläge, als Ausgleich für die größere Unsicherheit und Flexibilität im Job.
Billig-Strategie
In Deutschland dagegen erhalten Leiharbeiter zum Teil über 40 Prozent weniger Geld als die Stammbelegschaft. Für die gleiche Tätigkeit! Das ist ein Skandal. Den Unternehmen geht es also längst nicht mehr nur um Flexibilisierung. Da gibt es viele andere Instrumente wie Arbeitszeitkonten oder Befristungen. Nein, der massenhafte Einsatz von Leiharbeit zielt auf eine Billig-Strategie! Dieser Unterschied ist wichtig: Um Schwankungen auszugleichen oder Auftragsspitzen zu bewältigen kann fair gestaltete Leiharbeit ein gutes Mittel sein.
Aber in den letzten Jahren haben wir ein explosionsartiges Wachstum der Leiharbeit erlebt. Immer öfter werden Stammarbeitsplätze durch Leiharbeit ersetzt, ganze Belegschaften ausgetauscht. In der Krise sind die Leiharbeiter als erste draußen. Jetzt kommen sie wieder rein, nach wie vor zu schlechteren Bedingungen.
Sackgasse
Diese Billigstrategie ist eine Sackgasse. Die Leiharbeiter werden zu Arbeitnehmern zweiter Klasse, für gerade mal sieben Prozent von ihnen erweist sich die Leiharbeit als Sprungbrett in den festen Job. Die Stammbelegschaften geraten unter Druck. Sie fürchten, durch Leiharbeit ersetzt zu werden. Und letztlich riskieren die Unternehmen, dass Qualität und Unternehmenskultur leiden.
Viele Arbeitsprozesse brauchen fest eingespielte Teams, die langfristig miteinander arbeiten und viel Erfahrungswissen einbringen. Dafür braucht es feste, gesicherte Arbeitsverhältnisse. Das kann doch niemand leisten, der nur ein paar Wochen oder Monate im Betrieb ist.
„So kann es nicht mehr weitergehen!“
Mein Fazit lautet: So wie bisher kann es nicht mehr weitergehen! Wir Gewerkschaften wollen Leiharbeit begrenzen und fair gestalten. Wir haben zum Beispiel als IG Metall schon über 500 betriebliche Besser-Vereinbarungen erreicht, in vielen Fällen konnten wir dort den Grundsatz „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ festschreiben. Das zeigt: Wir packen das Thema an und wir erreichen auch konkrete Verbesserungen für die Leiharbeitnehmer.
Politik muss helfen
Aber das reicht nicht. Auch die Politik muss helfen. Gleiche Arbeit – Gleiches Geld und gleiche Rechte – so sieht es die Europäische Union vor. Es wird höchste Zeit, dass wir das in Deutschland umsetzen und zusätzlich mit einem vernünftigen Mindestlohn für die Leiharbeit eine unterste Schmerzgrenze einziehen. Im Interesse der Menschen und der Unternehmen – denn Top Qualitäts- und Technologieführer wird auf Dauer niemand sein können, der auf ungesicherte Billigjobs setzt. Das passt einfach nicht zusammen. Zu guten Produkten gehört gute Arbeit. Und der Grundsatz: Gleiche Arbeit – Gleiches Geld! (Der Westen, 22.07.'10)





