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Zeitarbeit im OP-Saal
Zeitarbeitgeberverbände und Gewerkschaften definierten Regeln
Die Umwandlung regulärer Stellen in Leihjobs bleibt erlaubt. Besser wird das Image der Zeitarbeitsbranche dadurch nicht. "Schleckern" könnte das Wort des Jahres werden. Immer wenn Unternehmen Stammbeschäftigte vor die Tür setzen und als billigere Leiharbeitnehmer wieder einstellen, heißt es inzwischen: die schleckern.
Berühmt und berüchtigt für diesen Missbrauch der Zeitarbeit wurde im Herbst 2009 Deutschlands größter Drogeriemarktbetreiber, der Unternehmer Anton Schlecker. Zwar schwor der schwäbische Patriarch der Methode inzwischen ab (…). Doch geschleckert wird weiter - beim Reisekonzern TUI, beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und bei vielen anderen Unternehmen, besonders massiv aber in privaten und öffentlichen Krankenhausgesellschaften und in gemeinnützigen Unternehmen wie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) (…).
Strengere Regeln
So haben der Bundesverband Zeitarbeit (BZA), der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) und der Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) in Branchentarifverträgen mit den Gewerkschaften strengere Regeln vereinbart: Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen und über konzerninterne Zeitarbeitsfirmen weiter beschäftigen, müssen die Betroffenen künftig so bezahlen wie ihre Stammbelegschaft. (…)
Eindringliche Warnung
Doch die Praxis sieht anders aus. Marcus Schulz, Geschäftsführer des Branchensechsten USG People Germany und mit seinem Unternehmen ebenfalls BZA-Mitglied, warnt eindringlich: "Diese Klauseln taugen nur bedingt, um Umgehungstatbestände wirksam zu beseitigen." Gestoppt werden durch die Tarifverträge allenfalls die extremen Varianten des Personaltricks: der sogenannte Drehtüreffekt, bei dem Mitarbeiter auf direktem Wege zu firmeneigenen Billigablegern verschoben und zurückgeliehen werden (…).
Imageschaden
Dass sich Schleckern kaum lohnt, weiß nun auch Schlecker. Imageschaden und leere Kassen machten den Konzern mürbe. Von Januar bis Ende April - als die Debatte hochkochte - brachen die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent ein. Jeder zehnte Schlecker-Kunde ging zur Konkurrenz. (Harald Schumacher, Wirtschaftswoche, 24.06.´10)





