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Blüm unterstützt IG Metall-Kampagne

17.05.2010

Zeitarbeit muss Ausnahme von der Regel bleiben

"Wenn wir 2011 Freizügigkeit auf dem europäischen Arbeitsmarkt haben und es dann keine verbindlichen Regelungen gibt, dann passiert folgendes: Es gewinnt der Lohndrücker."

Zeitarbeit in Deutschland | Unternehmen für Zeitarbeit
Norbert Blüm, Ex-Bundesarbeitsminister

Aber Unternehmer behaupten stets, dass dadurch die Betriebe besser durch Krisenzeiten kommen und so langfristig die Jobs gerettet werden können.

Blüm: Wenn es in Maßen und geregelt passiert, dann bin ich nicht für eine Kolonnengesellschaft, die überhaupt keine Abweichung erlaubt. Dass Ausnahmefälle erlaubt sein müssen in ungewöhnlichen Zeiten, da bin ich kein Dogmatiker.

Das galt auch für ihre aktive Zeit als Arbeitsminister?

Blüm:
Ich habe durchaus mitgewirkt an Vorhaben zur Flexibilisierung, etwa bei der Ausweitung befristeter Arbeitsverträge. Aber doch nur als Brücke. Aber jetzt, bezogen auf die Leiharbeit, wird leider der Ausnahmefall zum Normalfall. Dafür war ich nie. Ich war dafür, dass man durch den frühzeitigen Kontakt mit dem Betrieb die Chance auf eine dauerhafte Anstellung erhöht, aber nicht, dass die Dauerarbeitsplätze zu befristeten Stellen werden. So herum nicht. Das ist die falsche Fahrtrichtung.

Wer sind die treibenden Kräfte hinter der Entwicklung?

Blüm: Es gibt mächtige Interessenverbände und Handlanger der Leiharbeit. Für sie gibt es einen einfachen Grund: Die Tarifverträge halten sie für sehr lästig und die Leiharbeit ist ein Versuch, die Tarifverträge zu unterlaufen. Das ist halt billiger. Aber dieser Entwicklung muss man eine Barrikade bauen, nach dem Motto: Wenn Leiharbeit, dann gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Es kann ja nicht sein, dass der Fließbandarbeiter, der den rechten Reifen montiert, mehr verdient als derjenige, der für das linke Rad zuständig ist. Das widerspricht ja jedem Leistungsgedanken.

Und damit der Politik der FDP, die ja will, dass sich Leistung wieder lohnt.

Blüm: Das stimmt. Eigentlich müsste die FDP an der Spitze der Gegenbewegung stehen, aus zwei Gründen. Erstens unterminiert die Leiharbeit das von den Liberalen so hoch geschätzte Prinzip der Leistung. Zweitens, die Hauptleidtragenden werden nicht nur die Arbeitnehmer sein. Sie werden sich den Schaden mit den Handwerkern, Mittelständlern und Großbetrieben teilen. Wenn wir 2011 Freizügigkeit auf dem europäischen Arbeitsmarkt haben und es dann keine verbindlichen Regelungen gibt, dann passiert folgendes: Es gewinnt der Lohndrücker. Ich kann dazu nur eines sagen: Was wir in Deutschland über all die Jahre aufgebaut haben, wurde nicht mit Lohndumping erreicht, sondern mit Qualitätsarbeit. (News.de, 16.05.´10)

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