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Zeitarbeitsbranche weiter im Aufwind
Die führenden deutschen Zeitarbeitsunternehmen profitieren kräftig vom Wirtschaftsaufschwung – und blicken mit Sorgen nach Berlin. Nach Berechnungen des Marktforschers Lünendonk steigern die 25 größten Unternehmen ihren Umsatz in diesem Jahr um 18,2 Prozent, im Frühjahr 2011 werde voraussichtlich das Vorkrisenniveau wieder erreicht.

"2012 halten wir eine Million Zeitarbeiter in Deutschland für möglich", sagte Hartmut Lüerßen, Partner bei Lünendonk, dem Handelsblatt. Heute beschäftigt die Industrie rund 650 000 Menschen.
Mögliche Eingriffe
Die zuversichtliche Prognose klammert allerdings mögliche Eingriffe der Politik in die nicht unumstrittene Branche aus. Insbesondere die Forderung von IG Metall und SPD nach "Equal Pay" sorgt bei den Personaldienstleistern für Unmut: Die Gewerkschaft will Zeitarbeiter künftig finanziell mit den Stammbelegschaften gleichstellen und ihre Entsendung in Unternehmen zeitlich begrenzen. (…)
Ruhe an der Tariffront
Immerhin: Ruhe hat die Branche seit gestern an der Tariffront. Mit dem Interessenverband der Deutschen Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) stimmte auch der letzte Arbeitgeberverband den mit den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträgen zu, die jetzt 95 Prozent der Branche abdecken. Noch in diesem Jahr könnte die Bundesregierung die Abschlüsse in das Entsendegesetz übernehmen und damit einen faktischen Mindestlohn schaffen. Der liegt dann im Westen bei 7,56 Euro und im Osten bei 6,62 Euro und wird bis 2012 stufenweise erhöht. "Der Mindestlohn hilft uns, damit wir in der Öffentlichkeit als seriöse Arbeitgeber wahrgenommen werden", sagt Stefan Polak von der Job AG.
Klauseln
Die Vertragswerke enthalten auch Klauseln, die das sogenannte "Hausverleihen" bekämpfen sollen. Damit hatte die Drogeriekette Schlecker sehr zum Ärger der Branche eine hausinterne Verleihfirma gegründet und seine Beschäftigten im Lohn gedrückt. (…) Seit einigen Monaten erholt sich die Branche: Im Februar waren 650 000 Zeitarbeiter in Deutschland beschäftigt, das sind 20 000 mehr als im Jahresdurchschnitt 2009. Im Boomjahr 2008 hatte die Branche noch mehr als 800 000 Menschen unter Vertrag. Jetzt stehen die Signale wieder auf Aufschwung: "Wir spüren seit Wochen eine extrem starke Nachfrage", sagt Job-AG-Vorstand Polak, im ersten Quartal liege das Plus bei 18 Prozent.
Mehr Zeitarbeitnehmer
Nach der Wirtschaftskrise, so Adecco-Deutschland-Chef Andreas Dinges, werden die Unternehmen in Deutschland mehr Zeitarbeiter beschäftigen als davor. "Die Unternehmen und die Betriebsräte haben gelernt, dass Zeitarbeit die Stammbelegschaften schützt", sagt der Manager des Schweizer Konzerns. (…) Imageverbesserung und eine Ausbildungsoffensive stehen in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda.
In Ausbildung investieren
"Wir müssen in Zukunft viel stärker in Ausbildung investieren. Wir werden schon bald wieder Engpässe am Arbeitsmarkt haben", sagt Adecco-Chef Dinges. "Als moderne Personaldienstleister dürfen wir uns nicht nur als Kostensenker präsentieren. Die Zukunft liegt in der Beratung, im Outsourcing und vor allem in der ganzheitlichen Berufs- und Karrierebegleitung", sagt Stefan Polak von der Job AG. (Handelsblatt, 06.05.´10)





