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Zeitarbeit - das gescholtene Kind
Kommentar: Zeitarbeit kann schlechtes Image ablegen
Zeitarbeit ist das Schmuddelkind der Wirtschaft geworden. Aber sie ist nicht per se schlecht, im Gegenteil. Nur die schwarzen Schafe, die müssen weg.Es gab in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine rasend witzige Fernsehserie. "Büro, Büro" war ein Knaller, der die urkomische, aber nie lächerliche, Mitarbeiterschar eines mittelständischen Betriebes zeigte.
Eine der Hauptpersonen wurde von der wunderbaren Elfie Eschke gespielt, Reinhard Schwabenitzky führte Regie. Aber das nur am Rande. Eines Tages betrat eine Neue das Büro, die sofort die Aufmerksamkeit des ganzen Betriebes auf sich zog. Die Frauen blickten neidisch, die Männer interessiert, was vielleicht auch daran lag, dass diese Sekretärin einer Zeitarbeitsfirma von Iris Berben gespielt wurde. Hübsch, selbstbewusst und immer ein Parfümfläschchen dabei, führte sie den etwas trutschigen Bürodamen das tolle Leben vor. Super bezahlt, die Jobs konnte sie sich aussuchen und Erfahrungen sammelte sie so nebenbei. Wie auch Männerherzen, aber das gehört in den Film und nicht hierher…
Erfahrungen sammeln
Aber - was waren das noch für Zeiten! Zeitarbeitsfirmen sprossen gerade in die deutsche Wirtschaftslandschaft. Wer wollte, konnte jede Menge Erfahrungen sammeln, sich unterschiedliche Firmen von innen ansehen, drei Viertel der Leute, so wurde erzählt, bekamen kurzfristig feste Arbeitsplätze angeboten, denn auch für Unternehmen war die Sache klasse - sie konnten ja ebenfalls die Arbeitskraft unter die Lupe nehmen, eine Art vorgelagerter Probezeit, sozusagen. Bezahlt wurde gut, Urlaub zwischen zwei Einsätzen kein Problem aber auch kein Muss, unbezahlter Urlaub jederzeit drin.
Partner der Wirtschaft
Dabei waren die seriösen und gut angesehenen Zeitarbeitsfirmen richtige Partner der Wirtschaft. Eine Urlaubsvertretung, ein Krankheitsfall, ein Auftragshoch - und schon klingelten die Telefone bei den Vermittlern. Je größer der Pool der Arbeitnehmerschaft, desto besser. Die Firmen suchten damals so händeringend Leute, dass Ausbildungen in Schnellschreiben, Steno (ja, das gab es damals noch) und Grundkurs Englisch keine Seltenheit waren. Die Branche boomte. Das Image der Zeitarbeit war cool und modern. Beneidet von so manchem Grau-in-Grau erstarrten Festangestellten hatten die Zeitarbeiter etwas von unangestrengten Job-Hoppern an sich, die selbstbestimmt und selbstbewusst daher kamen.
Fast schon Schmuddelkind
Und heute? Heute ist die Zeitarbeit fast schon das Schmuddelkind der Wirtschaft geworden. Miese Abzocke, Dumpinglöhne und schlechter Umgangsstil mit Mitarbeitern durch einige der Firmen haben eine ganze Branche in Verruf gebracht. So sehr, dass kaum noch einer hinwill. Dabei wäre es doch genau die Branche, in der viele Arbeitnehmer Chancen hätten und die für Arbeitgeber nach wie vor flexible Möglichkeiten bietet. Zeitarbeitsfirmen stellen Arbeitnehmer ein und verleihen sie dann an andere Firmen um dort personelle Engpässe zu überbrücken. In der Vergangenheit war das nicht nur für reguläre Arbeitnehmer sondern auch für manche Studenten, Berufsanfänger, für monatsweise Arbeitende und Arbeitslose ein interessantes Geschäftsmodell.
Sprungbrett
Oder ein Sprungbrett in eine feste Anstellung. Weder Arbeitnehmer noch Betriebe mussten sich sofort für oder gegen eine Einstellung entscheiden. Für Unmut sorgte allerdings oft die Entlohnung. Während die Zeitarbeitsfirma bei der Firma einen vermeintlich saftigen Obulus kassiert, bekommt der Arbeitnehmer nur einen Teil davon ausbezahlt. Das ist wirtschaftlich betrachtet verständlich, denn die Zeitarbeitsfirma akquiriert Plätze, trägt das Risiko bei einer Vermittlungsflaute oder krankheitsbedingtem Ausfall, bezahlt Urlaub und natürlich auch die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Daneben will sie leben, das ist ja klar, Gewinn muss auch sein. Eine runde Sache also. Alle drei Partner könnten zufrieden sein.
Ursprüngliche Idee
Wenn nicht diese ganzen unappetitlichen Vorfälle der jüngsten Vergangenheit wären. Großkonzerne, die Teile ihrer Belegschaft in so genannte Zeitarbeitsfirmen abschieben, um sie zu wesentlich schlechteren Bedingungen dann wieder quasi an sich selbst "auszuleihen". Dumpinglöhne von in dieser Hinsicht sehr erfinderischen Unternehmen. Leute, die nur für einen Job eingestellt werden und danach wieder auf der Straße stehen. Das alles ist nicht gut und hat ganz und gar nichts mit der ursprünglichen Idee zu tun. Wenn die Zeitarbeit wieder salonfähig werden will, müssen sich die seriösen Unternehmen von diesen Machenschaften distanzieren. Die Politik sollte Verflechtungen zwischen Konzernen und konzerneigenen Leiharbeitsfirmen strengstens auf die Finger gucken.
Schlechtes Image ablegen
Und die Verbrauchen können auch etwas tun. Wer unbeeindruckt dort weiter kauft, wo es solche Verfehlungen gibt, darf sich nicht beklagen. Nur so kann die Zeitarbeit ihr schlechtes Image wieder ablegen und wieder werden, was sie einmal war: Ein wichtiger Faktor im Arbeitsmarktgeschehen, der allen Beteiligten Vorteile bringt. (Berufscoaching, 05.03.´10)





