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Arbeitsmarkt ohne Zeitarbeit schlechter

23.02.2010

Lohndumpingdebatte verdeckt Vorteile

Die Debatte um Lohndumping bei Schlecker verdeckt, dass der Arbeitsmarkt ohne Zeitarbeit schlechter dastünde. Personaldienstleister bringen den Unternehmen Flexibilität.

Zeitarbeit in Deutschland | Unternehmen für Zeitarbeit
iGZ-Bundesvorsitzende Ariane Durian: Personaldienstleister bieten gerade jetzt besonders gute Gelegenheiten für Jobsuchende.

Für den Arbeitsmarkt ist die Zeitarbeit ein wichtiger Faktor: Mit diesem Instrument überbrücken Unternehmen Auftragsspitzen. Aber auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten spielt die Überlassung von Arbeitnehmern eine wichtige Rolle. Im Dezember 2009 beispielsweise wurden im Bezirk der Arbeitsagentur Düsseldorf 1950 neue offene Arbeitsstellen gemeldet, 763 davon über Personaldienstleister. Mit anderen Worten: Weit mehr als jede dritte neue Stelle (39 Prozent) entsteht in dieser Branche.

Ohne Personaldienstleister mehr Arbeitslose

"Ohne Personaldienstleister hätten wir mehr Arbeitslose", sagt Udo Nachtigall von der Agentur für Arbeit Düsseldorf. Das sind schöne Erfolg für eine Branche, die viele immer noch pauschal mit Lohndumping in Verbindung bringen. Zu Unrecht, sagen die Zeitarbeits-Befürworter. Denn die meisten Personaldienstleister zahlten gar keine Dumpinglöhne und arbeiteten seriös. Aber der Fall der Drogeriekette Schlecker, die festangestellte Mitarbeiter entlassen haben soll, um sie kostengünstiger über eine Zeitarbeitstochter zurückzuholen, hat die Personaldienstleister in die Negativ-Schlagzeilen gebracht. "Das war ein Schlag ins Gesicht für uns alle", sagt Bettina Jessen, Niederlassungsleiterin von Secretary Plus in Düsseldorf.

Gezieltes Lohndumping

Ariane Durian vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen kritisiert dieses Vorgehen als "gezieltes Lohndumping". Sie sieht das Image der gesamten Branche in Gefahr. Dabei bieten die Personaldienstleister gerade jetzt besonders gute Gelegenheiten für Jobsuchende. "Wir werden besser sein als der normale Arbeitsmarkt", sagt Werner Faber von Faber und Faber selbstbewusst. "Die Unternehmen stellen wieder ein und werden dabei auf uns zurückgreifen, weil es noch schwierig ist, qualifizierte Fachkräfte zu finden." Das können Bettina Frenken und Regina Hermanns von Frenken & Co bestätigen. Für sie hat das Jahr gut begonnen.

Auftragslage stabilisiert

"Die Auftragslage der Kundenunternehmen hat sich stabilisiert", sagen sie. Zugleich könnten gerade im gewerblichen Bereich die Unternehmen nicht absehen, wie sich das Jahr weiterentwickle. "Viele Unternehmen werden sich lange nicht trauen, neue Mitarbeiter fest einzustellen", sagt Frenken. Gute Chancen böten sich Arbeitssuchenden im Handwerk und im Facharbeiterbereich, sagt Hans-Jürgen Hoffmann von Joker Personaldienstleistungen. Für die Branche geht Hoffmann, der außerdem Bezirkssprecher des Bundesverbands Zeitarbeit Personaldienstleistungen (BZA) ist, von einem guten Jahr 2010 aus - auch wenn er kein Boom-Jahr erwartet. "Es wird dauern, bis wir wieder dort sind, wo wir 2008 waren."

Gute Chancen

Dass die Branche noch nicht über die Flaute vom vergangenen Jahr hinweg ist, glaubt auch Bettina Jessen. Dennoch sieht sie Anlass für Optimismus: "Die Unternehmen suchen wieder Personal, gerade im kaufmännischen Bereich sehen wir gute Chancen", sagt sie. Möglichkeiten, auf dem Arbeitsmarkt voranzukommen, bieten sich seit Jahren im Pflegebereich.

Arbeitskräfte gesucht

Der Düsseldorfer Personaldienstleister Kangaroo spezialisiert sich zunehmend auf diese Branche, die händeringend Arbeitskräfte sucht. "Pfleger, Pflegehilfskräfte und examinierte Krankenschwestern haben hervorragende Chancen", sagt Ute Happe von Kangaroo. Gerade in diesem Bereich der Zeitarbeit zeigt sich die Notwendigkeit für die Branche, keine Dumpinglöhne zu zahlen. Denn täte Kangaroo das, hätte das Unternehmen kaum eine Chance, überhaupt geeignetes Personal zu finden. "Unsere Branche kann nicht vom Lohndumping leben", sagt Werner Faber. "Wir brauchen gute Mitarbeiter und müssen denen gute Gehälter zahlen." (Rheinische Post, 30.01.´10)