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Zeitarbeits-Unternehmer wehrt sich gegen Vorwürfe
Pauschalisierende Vorwürfe von Gewerkschaften nicht gerechtfertigt
Nicht zuletzt durch die aktuelle „Schlecker-Affaire” stehen Zeitarbeitsfirmen stark in der Kritik und müssen gegen Vorwürfe wie Lohndumping ankämpfen. 1997 gründete Jürgen Adler (41) die Zeitarbeitsfirma „gfz Services GmbH” in Castrop-Rauxel.
Mit dem Unternehmer sprach Ellen Andresen über Vorteile und Zukunft der Zeitarbeitsbranche.
Was ist an den Vorwürfen dran?
Adler: Die Zeitarbeitsbranche muss gegen pauschalisierende Vorwürfe ankämpfen. Die Gewerkschaften waren noch nie unsere Freunde, aber gerade sie schüren eine einseitige, zum Teil sogar denunzierende Berichterstattung. Die Gewerkschaften sind fundamental skeptisch. Der Lohndumping-Vorwurf hat gar keine Basis – und dann passieren so Dinge wie mit Schlecker, die als Hebel benutzt werden, um die Stimmung anzukurbeln. Dabei bieten wir als Zeitarbeitsfirma viele Vorteile.
Welche denn zum Beispiel?
Adler: Zeitarbeit schafft Arbeitsplätze, anstatt sie zu vernichten und bietet gute berufliche Perspektiven. Dieses Angebot ist gut für die Gesellschaft, weil beispielsweise zeitweise kein Arbeitslosengeld gezahlt werden muss und die Leute geraten nicht aus dem Auge, geschweige denn in die Langzeitarbeitslosigkeit. Aber wir sind nicht nur gut für Leute, die keine Arbeit haben. Ich will gute Arbeit anbieten – das ist mein Anspruch. Seit 1997 habe ich das Unternehmen in Castrop-Rauxel – derzeit mit 50 Handwerkern, die hauptsächlich im Metallbereich eingesetzt sind. Mit unseren Niederlassungen haben wir 400 Mitarbeiter beschäftigt, von denen viele schon seit über zehn Jahren bei uns arbeiten. Ich sehe die Zeitarbeit auch nicht als ein Instrument, sondern als eine Branche. Wir verleihen die Leute nicht. Ich suche Arbeit in der Gegend und vermittle. Am liebsten beschäftige ich die Angestellten so lange es geht.
Haben Sie denn auch Verständnis für die negativen Meinungen?
Adler: Mein Verständnis dafür hält sich enorm in Grenzen. Es gibt Firmen in unserer Branche, die einem leider den ganzen Ruf versauen. Auch in anderen Branchen findet man solche Unternehmen. Aber das spiegelt nicht die Realität wider.
Sie sprachen gerade von guten beruflichen Perspektiven. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern denn auch Fortbildungen an, damit sie auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen haben?
Adler: Nein, da bin ich ehrlich. Fördermöglichkeiten haben wir bisher selten angeboten – auch, weil wir wenig einsatzfreie Zeiten haben. Aber ich biete meinen Beschäftigten wechselnde Einsatztätigkeiten an, bei denen sie viele Erfahrungen sammeln können. Wir haben durchaus Angestellte, die als Schlosser angefangen und sich mit Fleiß in eine Leistungsfunktion hochgearbeitet haben.
Zurück zum Vorwurf des Lohndumpings: Was verdient denn ein Beschäftigter bei gfz Services GmbH?
Adler: Die unterste Gehaltsstufe liegt bei 7,35 Euro. Das verdient zum Beispiel der so genannte Hilfsarbeiter. Unser Hauptsegment sind aber die Facharbeiter, die bekommen um die 12 Euro pro Stunde.
Was wollen Sie, auch in der Funktion als Fraktionsvorsitzender der FDP, gegen die Gegner von Zeitarbeitsfirmen unternehmen?
Adler: Die Politik darf nicht einknicken, weil die Gewerkschaften eine große Medienmacht haben. Im Juli 2008 waren noch 830 000 Menschen in Zeitarbeit beschäftigt – bei 30 Mio. Festangestellten in Deutschland. Im Juli 2009 waren es nur noch 520 000. Die Krise hat Jobs vernichtet, 40 Prozent der Arbeitsplätze sind weggefallen.
Hat die Zeitarbeitsbranche eine Zukunft?
Adler: Seit den 70ern gibt es Zeitarbeit. Das waren noch Jahre, in denen die Branche stark reglementiert war. Das große Problem ist der ständige Wandel. 2006 bis 2008 wurden die Zeitarbeitsfirmen noch hochgelobt und als Jobmotor angesehen. Ob wir eine Zukunft haben, das wird man sehen, wenn man uns lässt. (Der Westen, 05.02.´10)



