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Aufwärtstrend ist erkennbar
Krise führt zum Umwandlungsprozess in der Zeitarbeitsbranche
Mit der schwersten Wirtschaftskrise seit Gründung der Bundesrepublik stand auch die Zeitarbeitsbranche vor ihrer ersten ganz großen Bewährungsprobe. "Die Zahl der Beschäftigten brach um 18,1 Prozent ein, viele Zeitarbeitsunternehmen mussten ihre Pforten schließen", erläutert Matthias Stief, Regionalkreisleiter des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ für den Bereich Oberbayern Nord und Niederbayern, die Auswirkungen.

Allerdings öffneten sich - so der Zeitarbeits-Experte - auch einige Türen: "Seit November 2008 darf nun auch die Zeitarbeitsbranche das Instrument Kurzarbeitergeld nutzen, und für Weiterqualifizierungsmaßnahmen wurden Beschränkungen weitestgehend gelockert. Kein Zweifel - mit Blick auf die Konkurrenz mussten in dieser Zeit zahlreiche Unternehmen feststellen, dass es Mitbewerbern, die Zeitarbeit als flexible Beschäftigungsalternative nutzten, besser gestellt waren", betont der Vertreter des Zeitarbeitgeberverbandes.
Stammpersonal gehalten
Die Kundenunternehmen der Zeitarbeitsbranche konnten ihr eigenes gut ausgebildetes Stammpersonal in vielen Fällen halten und haben jetzt laut Stief in Zeiten sich füllender Auftragsbücher die besseren Startbedingungen. Dies führe zu einem Umdenkungsprozess bei jenen Firmen, die Zeitarbeit bislang nicht nutzten - es sei also damit zu rechnen, dass die Zeitarbeit nach der Krise wieder boomen werde. "Die Zahlen belegen es: Am Tiefpunkt der Wirtschaftskrise standen im Mai 2009 nur noch 517 000 Zeitarbeitnehmer deutschlandweit in Lohn und Brot", erklärt Stief, "und im August waren es bereits wieder 575 000 Beschäftigte, Tendenz steigend". Selbst aus der vielgebeutelten Automobilbranche gehen, so der Ingolstädter Unternehmer, wieder die ersten Aufträge ein.
Eine Million Zeitarbeitnehmer
"Experten gehen davon aus, dass es bis 2011 in Deutschland bis zu eine Million Zeitarbeitnehmer geben wird". Mit der Krise habe zudem ein Umwandlungsprozess in der Zeitarbeitsbranche eingesetzt: "Waren ursprünglich über 33 Prozent der Zeitarbeitnehmerschaft auf dem Sektor der (ungelernten) Hilfstätigkeiten eingesetzt, sank diese Zahl um vier Prozent auf derzeit 29 Prozentpunkte. Auf der anderen Seite boomte - trotz der Wirtschaftskrise - die Nachfrage in der Dienstleistung und in der Sparte der akademischen Berufe", betont der iGZ-Vertreter. Im Bereich der Gesundheitsberufe sei die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeit beispielsweise von 14 984 auf 16 697 gestiegen, was einem Plus von rund 10,3 Prozent entspreche.
Dienstleistung
Nicht minder positiv sei die Tendenz bei den Dienstleistungsberufen - hier habe sich die Zahl von 27 914 auf 29 072 gesteigert. Spezialkräfte seien immer gefragt - rund 35 000 Stellen konnten laut Stief selbst während der Krise durch das Fehlen von Fachpersonal nicht besetzt werden. Auch daraus habe die Zeitarbeitsbranche ihre Lehre gezogen - zunehmend werden den Mitarbeitern Weiterbildungsmaßnahmen angeboten, denn qualifiziertes Personal schütze auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten vor dem totalen Absturz.
Demographischer Wandel
"Durch die zunehmende Globalisierung, die anziehende Konjunktur und auch den demographischen Wandel entwickeln sich die Personaldienstleistungsunternehmen zunehmend zu Maklern für hochqualifizierte Arbeitskräfte", weiß der Fachmann. Das klassische Bild des Mitarbeiters, der von der Lehre bis zur Rente im Betrieb bleibe, sei bei den Nachwuchskräften nicht mehr gefragt. Stief: "Immer mehr junge Berufseinsteiger ziehen es vor, die Zeitarbeit als Alternative zu wählen, um praktische Erfahrungen zu sammeln, sich auf unterschiedlichen Gebieten zu qualifizieren und damit auch den eigenen Marktwert zu steigern." Nicht zuletzt auch durch den demographischen Wandel rechnen die Experten künftig mit großen Engpässen bei den akademischen Berufen - insbesondere Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker ("MINT-Akademien") werden voraussichtlich extrem stark davon betroffen sein: "Schon in sechs Jahren werden, so die Schätzungen, 254 000 dieser hoch qualifizierten Arbeitskräfte fehlen", unterstreicht der iGZ-Regionalkreisleiter die Situation.
Ein Manko
Laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall könne diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf insgesamt 426 000 fehlende Kräfte ansteigen. "Ein Manko, das die deutschen Wirtschaftsunternehmen aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen werden können - dann sind die Zeitarbeitsunternehmen ganz besonders gefragt" blickt Matthias Stief auf kommende Aufgabenstellungen der Zeitarbeitsbranche. (Ingolstäder Anzeiger, 18.12.09)





