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Der Zeitarbeitsmarkt floriert

26.11.2009

Belegschaften rapide aufgestockt

Heilbronn. Kaum sind die schlimmsten Wehen der Rezession vorbei, boomt das Zeitarbeitsgeschäft. Statt fest einzustellen, greifen immer mehr Unternehmen in Zeiten schwankender Auftragszahlen auf Leiharbeiter zurück.

Zeitarbeit in Deutschland | Unternehmen für Zeitarbeit
Die steigende Nachfrage decken viele Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie mithilfe von Leiharbeitern ab.Foto: dpa

Manch einer sieht darin bereits einen Paradigmenwechsel für den Arbeitsmarkt: Abbau der Stammbelegschaft, Vergrößerung des Leiharbeiterreservoirs - was die einen fürchten, sehen andere als große Chance.

Regelrechter Boom

Fakt ist, dass es für Personaldienstleister steil bergauf geht. Die beiden regionalen Branchenführer Bera und Franz Wach haben ihre Belegschaften rapide aufgestockt. Seit dem Sommer haben beide Zeitarbeitsfirmen jeweils mehr als 200 neue Mitarbeiter eingestellt. Aktuell kommt Bera auf 780 Beschäftigte, Franz Wach auf 750 in der Region. In den nächsten Monaten planen die Verantwortlichen, die 1000er-Marke zu knacken. Auch kleinere Personaldienstleister sprechen von einem Aufschwung.

Nachfrage steigt

Die Nachfrage der Industrie nach angelernten Kräften und Facharbeitern steigt. Laut Arbeitgeberverband gibt es bereits jetzt Firmen in Heilbronn-Franken, deren Belegschaft zu 30 Prozent aus Leiharbeitern besteht. Und Bera-Chef Bernd Rath prophezeit, dass der "Flexibilisierungsdruck auf dem Arbeitsmarkt künftig noch stärker wird".

Permanenter Wandel

Dass sich der Arbeitsmarkt im permanenten Wandel befindet, ist kein Geheimnis. Pro Monat verschwinden aus der Arbeitslosenstatistik im Agenturbezirk Heilbronn mehr als 3000 Menschen, weil sie eine neue Beschäftigung gefunden haben. Ungefähr gleich hoch ist die Anzahl der Neuzugänge. Zwar erfasst die Statistik nicht, ob die Betroffenen in reguläre oder in Zeitarbeitsverhältnisse wechseln. Doch nach Informationen der Heilbronner Stimme werden im Bezirk der Agentur für Arbeit Heilbronn rund 40 Prozent der erfolgreichen Vermittlungen in den Arbeitsmarkt von Personaldienstleistern abgewickelt.

Unsichere Konjunktur

Nicht jeder davon wird auch Leiharbeiter, befeuert wird der Trend Richtung Zeitarbeit derzeit aber durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Die Konjunktur zieht in einigen Bereichen wieder an, doch die Auftragseingänge bleiben instabil. Mit Neueinstellungen halten sich die Firmen deshalb merklich zurück. "Zeitarbeitskräfte sind flexibler", erklärt der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Heilbronn-Franken, Rolf Blaettner. "Und wer nicht weiß, wie sich das Geschäft entwickelt, will eben flexibel bleiben." (...)

Entwicklung

Die Nachfrage nach Zeitarbeit steigt seit Jahren kontinuierlich. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands stieg die Zahl der Zeitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie bundesweit von 102.000 oder drei Prozent der Stammbelegschaft (2005) auf 234.000 oder 6,4 Prozent (2008) (Werner Tewes, Heilbronner Stimme, 26.11.09).