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Statt Unterrichtsausfall: Lehrer leasen

19.10.2009

Pädagogen in der Zeitarbeit

An den Schulen sind schon Herbstferien und noch immer sind nicht alle Lehrerstellen besetzt. Ein Vorschlag, wie dieser Mangel dauerhaft behoben werden kann, kommt von der 2007 gegründeten "Ruck-Stiftung des Aufbruchs": Sie will eine Personalagentur für Lehrer ins Leben rufen - sozusagen eine Zeitarbeitsfirma, bei der sich die Schulen Vertretungs- oder Fachkräfte "leihen" können.

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Die Ruck-Stiftung hat das Lehrer-Lease-Modell entwickelt, "um einen Beitrag zur Überwindung des Lehrermangels zu leisten", sagt Eike von Oppeln-Bronikowski, Vorsitzender des Vorstandes. Bei der Beschäftigungsagentur sollen junge Lehrer mit überdurchschnittlichen Examina angestellt werden, die den Schulen nach Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Dadurch werde nicht zuletzt die Kompetenz öffentlicher Bildungseinrichtungen durch privates Know-how gestärkt.

Flexibel reagieren

Das Modell der Beschäftigungsagentur für Lehrer entstand aus der Idee heraus, dass Schulen auf Personalmangel nicht flexibel reagieren können. Mithilfe der geleasten Lehrer sollen sie verlässlicher planen können. Die Personalagentur ist zunächst als Pilotprojekt in Berlin geplant. 2010 beginnt der Betriebsaufbau, 2011 sollen die ersten 20 Lehrkräfte im Einsatz sein. Geplant ist die Beschäftigung von insgesamt 50 Lehrern.

Modell

Die Senatsbildungsverwaltung gibt sich zurückhaltend. "Das ist ein Modell, das wir zunächst prüfen müssten", sagt Sprecher Kenneth Frisse. Erst kürzlich hatte die Bildungsverwaltung Zahlen zur aktuellen Ausstattung der Schulen mit Lehrern veröffentlicht. Demzufolge sind in vielen Schulen noch nicht alle Stellen besetzt. Die Gustav-Falke-Grundschule zum Beispiel, die mit ihrer Klasse für deutschsprachige Kinder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist, arbeitet nur mit 90 Prozent des benötigten Personalsetats. Das sind 1,5 Stellen, die fehlen.

Anspruch auf Personalausstattung

Die Schulen haben einen Anspruch auf eine 100-prozentige Personalausstattung. Sie können über drei Prozent ihres Personalbudgets aber auch frei bestimmen. "Das sind Mittel, die Schulen zur Verfügung haben, um zusätzlich Lehrer einzukaufen", sagt Kenneth Frisse. Schulen sollen so auf Unterrichtsausfall schnell reagieren können.

Vermittlungsagentur hilft

Sascha Steuer, Bildungsexperte der CDU-Fraktion, steht dem Lehrer-Lease-Modell offen gegenüber. "Warum nicht - bevor die Lehrer zu Hause sitzen", sagt Steuer. Es sei ein Problem, dass Schulen und Lehrer nicht zusammenkommen. Eine solche Vermittlungsagentur könnte dabei behilflich sein. Mieke Senftleben von der FDP geht einen Schritt weiter. "Der Initiative sollte der rote Teppich ausgerollt werden", sagt die bildungspolitische Sprecherin. Berlin brauche eine verlässliche Lehrerversorgung.

GEW lehnt ab

Ablehnend positioniert sich bereits die GEW. "Diese Lehrer-Agentur ist überflüssig", sagt Sprecher Peter Sinram. Schule sei eine staatliche Aufgabe und nicht halb öffentlich, halb privat. Vor allem frage er sich, wo die jungen Lehrer für Mangelfächer wie Mathematik, Biologie oder Kunst herkommen sollen. Der Markt sei leergefegt.

Förderung von Bildung

Die Ruck-Stiftung will, wie der Name sagt, Personen oder Organisationen unterstützen, die sich einen Ruck geben und Verantwortung übernehmen wollen. Besonderes Anliegen ist die Förderung von Bildung und Wissenschaft. (Berliner Morgenpost, 19.10.´09)