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Nationaler Masterplan fehlt

14.04.2009

Interview mit Othmar Hill

Wirtschaftspsychologe und Personalstratege Othmar Hill sieht nach der Krise vor allem die Zeitarbeit boomen und hält neue, kreative Arbeitszeitmodelle für das Gebot der Stunde.

IGZ
Othmar Hill: "Mir fehlt ein nationaler Masterplan für die Beschäftigung".

KURIER: Die Krise rafft viele Jobs hinweg. Müssen wir die Arbeit neu verteilen? 

Othmar Hill: Das Ende des Vollzeit-Jobs wie wir ihn kennen, ist absehbar und wird durch die Wirtschaftskrise noch beschleunigt. Dafür sind im wesentlichen drei Faktoren ausschlaggebend: Die Globalisierung, das Internet und der Werteverfall. Jeder schaut selbst, wie er durchkommt.  

Stichwort Arbeitszeitverkürzung. Wollen das die Arbeitnehmer überhaupt? 

Wenn die Lohndifferenz nicht zu hoch ist, schon. Das bringt ja auch mehr Lebensqualität. Wir merken das bei unseren Jobinseraten. Bei Angeboten für 25 oder 30 Stunden gibt es mehr Resonanz als auf Vollzeit-Jobs.

Eine flexible Arbeitsform ist die Zeitarbeit. Wird sie nach der Krise wieder boomen? 

Ja, da bin ich mir ganz sicher. Ich halte die Zeitarbeit auch für sinnvoll. Einerseits wird dadurch vielen der (Wieder-) Einstieg ins Berufsleben ermöglicht und andererseits finden viele eine Arbeit, die es sonst vielleicht schwer hätten.  

Ist die Kurzarbeit das richtige Mittel, um Beschäftigung zu halten? 

Sie wird nicht reichen. Es geht auch darum, Beschäftigung zu schaffen. Was mir hier fehlt, ist ein na-tionaler Masterplan für die Beschäftigung, wo neue, brauchbare Arbeitszeitmodelle entwickelt werden. Insbesondere sind Lösungen für Jugendliche und Ältere gefordert.  

Welche neuen Arbeitszeitmodelle wären denn rasch umsetzbar? 

Da gibt es viele gute Beispiele aus der Praxis wie etwa Arbeitszeitkonten (z.B. Jahresarbeitszeit, Anm.) . Das wird noch viel zu wenig angewendet. Es gibt intelligente Altersteilzeitmodelle wie Tandem-Lösungen: Ältere Arbeitnehmer machen 30, jüngere 70 Prozent der Arbeit. Ich bin dafür, in der Altersteilzeit Selbstständigkeit zu fördern.

Warum nicht im Alter ein Unternehmen gründen?

Derzeit leisten wir uns, auf das Know-how der Älteren zu verzichten. 
 Artikel vom 13.04.2009 19:27 | KURIER |